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Weile ohne Eile

Weile ohne Eile
Wer täglich viel erlebt, braucht Phasen zum Ausgleich.

Zeit ohne Ende haben. Ohne Ziel, einfach nichts tun. Die Kostbarkeit im Moment genießen. Eine lange Weile, die nicht mit Langeweile zu verwechseln ist. Wie das geht, weiß Barbara Messer.

Es gibt viele Situationen im Alltag, die sich im Wohnmobil von denen im geräumigen Heim sehr unterscheiden. So dauerten die Tätigkeiten des Alltags hier oftmals länger. Wenige Dinge haben Platz und konnten auch nicht einfach auf dem Schreibtisch liegenbleiben oder mal eben in der Besenkammer verstaut werden. Der Schreibtisch war gleichzeitig Esstisch, die Besenkammer nicht vorhanden. Alles nahm mehr Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch.

Es gab eine Art normale Sättigung: die Tage füllten sich kontinuierlich und auf eine ganz besondere Weise. Alltagstrott und Routinen fehlten, nichts ließ uns flüchtig oder oberflächlich werden. Kaum etwas verursachte Eile oder Hektik, außer die ungeplanten Starts, wenn wir von einem Platz vertrieben wurden.

Unsere Kostbarkeit lag im Moment

Anders als beim Meditieren, wo wir versuchen, nichts zu denken und die Aufmerksamkeit auf den Atem oder andere einfache, elementare Funktionen unseres Körpers zu lenken, ist die lange Weile etwas wie ein Refugium, das vom Aussterben bedroht ist. Denn, Sie wissen es selbst, überall gibt es Verlockungen und Ablenkungen – oft strom- und internetbasiert.

Einer Libelle zuzuschauen, wie sie auf der linken Hand landet. Menschen beobachten, die sich in Ruhe unterhalten. Der Donau beim Fließen zuschauen. Regenwolken betrachten, bevor sie sich öffnen. Hunden beim Spielen zuschauen. Nichts tun. Nichts denken. Eine lange Weile haben. Den Moment genießen können.

Phasen zum Ausgleich

Unsere Kostbarkeit lag im Moment: Abende, an denen wir auf einem Klapphocker sitzend und in einer Wolldecke eingehüllt auf Rhein, Weser, Elbe, Donau oder Naab schauten – und nichts anderes taten.

Heute weiß ich, wie wichtig solche Mußestunden sind. Wie wichtig diese Zeiten sind, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Denn wer täglich viel Neues kennenlernt, braucht entsprechende Phasen zum Ausgleich.

Eine lange Weile eben – nicht mit Langeweile zu verwechseln.

Ihre Barbara Messer

 

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Gabal Verlag (1. Auflage, März 2018)
15 Euro (D)
ISBN 978-3-86936-834-4