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Was geht – und was nicht?

Was geht – und was nicht?
Wer sich von anderen verunsichern lässt, verschenkt so manche Möglichkeit.

Vor meinem Start ins Abenteuer „Wohnmobil“ standen die Bedenkenträger Schlange. Und egal zu welchem Thema, die wohlgemeinten Ratschläge, Bedenken und Vermutungen nahmen kein Ende. Wie gut, dass ich auf mein Urteilsvermögen vertraute.

Du kannst doch nicht mit der Katze im Wohnmobil leben! Das geht doch nicht, Du kannst die Katze doch nicht mit ins Wohnmobil nehmen! Eine Katze braucht ihr Revier! – solche und ähnliche Bedenken und Vermutungen bekam ich vor meinem Projekt „Ein Jahr im Wohnmobil leben – mit Katze Hexe“ zigfach zu hören.

Im Nachhinein empfinde ich diese Bedenken einerseits als fürsorglich für Hexe und ihr Wohlergehen. Andererseits sehe ich sie aber auch kritisch. Woher wollten die (meist ungefragten) Ratgeber wissen, was gut für Hexe und mich sein würde? Mein Haus stand kurz vor dem Verkauf. Und ich wusste noch nicht an wen. Was, wenn Allergiker oder Hundebesitzer einziehen würden? Ohne zu wissen, ob Hexe sich auch weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung wohlfühlen würde, sollte ich meine geliebte Katze, deren Mutter schon bei mir gelebt hat, einfach bei den Nachbarn zurücklassen? Und wie würde ich mich ohne Hexe fühlen? Ich konnte meine kleine Katze doch nicht einfach zurücklassen. Das schien wiederum für mich unmöglich! Schließlich waren wir über die Jahre ein Team geworden.

Vor der Abreise stand der Übergang

Und auch wenn Sie jetzt vielleicht denken, dass ich ein wenig sonderbar bin, doch eines Nachts, noch Wochen vor dem Aufbruch, träumte ich, dass mich Hexe eines Morgens beim Betreten der Küche fragte, wann wir denn losfahren würden. Auch wenn es nur ein Traum war, für mich war das die Bestätigung, dass Hexe mitkommen wollte. So überwand ich meine letzten Zweifel, denn die hatte ich insbesondere meines vollen Tourenplans schon.

Doch vor der Abreise brauchte Hexe noch einen kleinen Übergang. So gab es das abendliche Futter nur noch im Wohnmobil. Und auch die Nächte verbrachten wir dort immer öfter, damit sich Hexe ihre Lieblingsplätze suchen konnte. Später, als wir unterwegs waren, ließ ich sie nach ein paar eher missglückten Versuchen mit einer Katzenleine abends dort raus, wo das Wohnmobil definitiv über Nacht stehen bleiben würde.

Einfach war es nicht

Während ich die ersten Abende bangte, nahm es Hexe leicht. Sobald die Tür aufging, setzte sie ihre Pfoten auf die unterste Stufe der Innentreppe, schaute nach rechts und links, um dann erst einmal unter dem Wohnmobil Platz zu nehmen. Da nämlich hatte sie ihren sicheren Platz. Und von dort unternahm sie ihre Ausflüge, die, bis auf wenige Ausnahmen, immer in Sichtweite erfolgten.

Noch heute beschäftigen mich die wohlgemeinten Ratschläge, Bedenken und Vermutungen immer wieder. Wie oft lassen wir uns verunsichern und „verschenken“ so neue Möglichkeiten, weil andere meinen zu wissen, was geht und was nicht? Dabei hat jeder seinen ganz eigenen Horizont. Hexe hat mich in diesem Jahr Demut und Dankbarkeit gelehrt. Stillschweigend ging sie mit in dieses Projekt, in ihr Schicksal.

Vertrauen Sie auf Ihr Urteilsvermögen!

Ihre Barbara Messer

 

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