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Tatort oder nicht – für viele (k)eine Frage

Tatort oder nicht – für viele (k)eine Frage
Routinen zu unterbrechen, kostet Kraft.

Das Fernsehprogramm beeinflusst uns mehr als wir ahnen. Denn trotz Nachrichten-Apps und Streaming-Dienste sind bei vielen die Tagesschau oder auch der Tatort fest gesetzte Termine. Die Folge: wir bleiben vor der Klotze hängen. Eine Gewohnheit, die sich da einen Weg bahnt.

Gewohnheiten zu durchbrechen, sie zu ändern, ist nicht leicht. Jeder, der einmal versucht hat, mit dem Rauchen aufzuhören, weiß wovon ich spreche. Es braucht schon einen größeren Ruck, einen Anlass, der uns derart erschüttert oder tief berührt, dass wir bereit sind, unser Verhalten zu ändern. Und dennoch versuchen es viele Menschen täglich wieder, ihr Verhalten, ihre Gewohnheiten zu ändern.

Auf das Fernsehen zu verzichten, ist in meinen Augen einer der einfachsten Schritte. Gerade im Sommer sind Natur, Balkon oder Terrasse verlockender als das heimische Sofa, auf dem wir liegend in den Flimmerkasten starren. In dunklen Monaten ist es schon etwas anderes, denn der Abend fällt mehr auf, er will gefüllt werden.

Routinen zu unterbrechen, kostet Kraft

Ist der Alltag im Fluss, gehen einem Dinge leichter von der Hand. Fehlt jedoch der Rhythmus, muss vieles immer wieder neu angeschoben werden. Das lässt sich leicht am Beispiel des Lauftrainings nachvollziehen. Sind wir gut trainiert, fällt das morgendliche Schnüren der Laufschuhe leichter, als wenn wir uns mit wenig Kondition immer wieder aufraffen müssen.

In unserem Jahr im Wohnmobil gab es anfangs keine Routinen, keinen Rhythmen. Wir mussten alles Stück für Stück entwicklen, denn Routinen gab es nur sehr reduziert. Und weil es kein Sofa gab, fehlte auch ein Platz zum Chillen – zumindest im Herbst und Winter. Da zog ich mich gerne früh auf das Bett im Alkoven zurück. Im Frühling und Sommer war es leichter, denn wo wir auch waren, wir legten uns zum Chillen einfach auf die Wiese.

Klärende Gespräche sind das zentrale Elixier für das Zusammenleben

Den kleinen, vom Werk eingebauten Fernseher mussten wir bereits vor unserer Abfahrt ausbauen. Er nahm schlicht zu viel Platz weg. Damit war das Thema Fernsehen vom Tisch. Unsere Abende waren aber sowieso „voll“. Leben nämlich zwei Menschen und eine Katze auf engstem Raum, muss regelmäßig aufgeräumt, Wichtiges abgesprochen und vorbereitet werden. Gelernt haben wir, das klärende Gespräche das zentrale Elixier für das Zusammenleben vor allem auf engstem Raum sind. Mit Routinen, wie das Schauen der täglichen 20 Uhr-Nachrichten, wären Aufgaben und Gespräche definitiv zu kurz gekommen.

Wer jetzt aber romantische Vorstellungen hat à la Pfeife rauchende Männer, die Holzspielzeug oder Alltagsgegenstände schnitzen, und strickende oder häkelnde Frauen, die zusammen um den Küchentisch sitzen, irrt gewaltig. Allerdings empfand ich unsere Abende gefüllt mit Gesprächen, dem Erledigen von Aufgaben, dem Vor- und Nachbereiten von Arbeitsprojekten, dem Schreiben von Texten sowie das Genießen der Umgebung und dem Beisammensein mit Freunden als sehr nachhaltig und befriedigend.

Ein Fernseher hätte hier nur gestört!

Ihre Barbara Messer

 

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