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Ein Freund, ein guter Freund…

Ein Freund, ein guter Freund…
Freundschaften sind nicht durch geografische Nähe limitiert.

…das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Doch wer sagt, das nur langjährige Freunde das Potenzial dazu haben? Barbara Messer weiß aus eigener Erfahrungen, wie schnell sich ein Blatt wenden kann.

Mein Jahr im Wohnmobil hat meine Freundschaften auf einen Prüfstand gestellt. Es war auch in dieser Hinsicht eine Zäsur, denn ich habe in dieser Zeit Freundschaften gewonnen und andere verloren. Wie einfach es doch ist, Freundschaften zu pflegen, sich zu besuchen, zu treffen und sich auszutauschen, wenn man in der gleichen Stadt lebt.

Doch was ist der Kern von Freundschaft? Nähe, Vertrautheit, gemeinsame Interessen und Hobbys, die Tatsache, eine vergangene Lebensphase geteilt zu haben? Wann spricht man von einem Freund, einer guten Kollegin, einem beruflichen Kontakt? Welche Nuancen liegen zwischen Begriffen wie Studienfreund, Sandkastenfreundin, beste Freundin, Busenfreundin?

Freundschaften sind nicht durch geografische Nähe limitiert

Ich bin in diesem Jahr vielen Menschen das erste Mal begegnet und hatte dennoch das Gefühl von Nähe und Vertrautheit – magisch und auch rätselhaft, beglückend und auch wunderschön! Und spreche ich diese Menschen heute nach Monaten wieder, so ist es, als wären wir erst gestern auseinandergegangen. Ich glaube, genau dafür wurden Begriffe wie Wahlverwandtschaften und Seelenverbindung geprägt. Einige meiner langjährigen Freundschaften haben dieses Jahr nicht überstanden. Sie sind gewissermaßen eingeschlafen, vielleicht war ich für diese Menschen mit meiner Lebensintensität aber auch zu anstrengend.

Und gewiss habe ich in diesem Jahr manches nicht geschafft, da unser Alltag plötzlich nach anderen Regeln funktionierte. So blieb beispielsweise manch eine Geburtstagskarte ungeschrieben. Auch einige Einladungen konnte ich nicht wahrnehmen. Und wahrscheinlich habe ich mich für manche meiner früheren Freunde in eine fremde, unbequeme Richtung entwickelt. So hatte ich zum Beispiel den Eindruck, dass mein Projekt für nicht wenige etwas Beängstigendes hatte. Meine positive Haltung, das Verlassen meiner Komfortzone, die Reduzierung auf das Wesentliche muss für einige kaum auszuhalten gewesen sein. Und auch dadurch sind sicherlich Distanzen entstanden.

Viele suchten unsere Nähe

Meine Begegnungen unterwegs hingegen wurden tiefer, das Abenteuer und die gelebte bzw. erlebte Unabhängigkeit schärften mein Bewusstsein. Gespräche mit fremden Menschen wurden recht schnell persönlich und bezogen sich oft rasch auf unser Abenteuer – so, als zöge es die Menschen magisch an. Vielleicht, weil unser modernes Nomadentum auch eine Sehnsucht, ein Mitgefühl, eine Verbundenheit weckte. Denn viele suchten unsere Nähe: Sie kamen zum Abendessen. Wir wurden eingeladen, teilten Küchentisch und Waschmaschine. Wir waren überall zuhause und verheimlichten kaum etwas.

Und auch wenn es weniger als zwei Hände voll waren, die mich durch dieses Jahr trugen, genau diese Menschen trage ich bis heute im Herzen – vor allem in den besonders glücklichen und schweren Momenten.

Ihre Barbara Messer

 

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Gabal Verlag (1. Auflage, März 2018)
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