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Vom Mitarbeiter zum Mitgestalter

Vom Mitarbeiter zum Mitgestalter
Man muss sich darüber klar werden, welchen Job man machen will.

Wir stecken mittendrin im „Change“. Nicht nur im Alltag, sondern auch im Job verändert sich alles rasant. Nichts bleibt, wie es ist. Egal, wie wir dazu stehen.

Wir hören gefühlt von morgens bis abends New Work, VUCA, Disruption. Und egal, wie wir dazu stehen, diese enormen Veränderungen kommen auf uns zu. Verständlich, dass wir da gerne mal auf stur schalten, wenn es zu viel wird. Und denken: Sollen die da oben sich ruhig immer neue Sachen ausdenken; ich mache einfach alles so wie bisher. Das klappt ja schließlich schon seit Jahren. Andere wiederum lassen einfach alles über sich ergehen, während sie sich jeden Morgen unglücklich und gestresst zur Arbeit schleppen. Darunter leidet nicht nur die Laune, sondern auch die Arbeit.

Wer zufrieden ist, wird vom Mitarbeiter zum Mitgestalter

Wer von dieser Opferrolle genug hat, sollte frei nach John F. Kennedy handeln: Fragen Sie sich nicht, was Ihr Unternehmen für Sie tun kann, sondern was Sie für Ihr Unternehmen tun können. Das heißt nicht, dass man die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen hintenanstellen sollen. Im Gegenteil: Man muss sich darüber klar werden, welchen Job man machen will – und dann mit Courage alles dafür tun, der Idealvorstellung so nahe wie möglich zu kommen. Denn nur wer zufrieden ist, kann vom Mitarbeiter zum Mitgestalter werden. Dann übernimmt man bereitwillig Verantwortung für den eigenen Erfolg und seinen Anteil am großen Ganzen – also am Erfolg des Unternehmens. Mit diesen acht Prinzipien, erreichen Sie dieses Ziel:

Reden Sie Tacheles!
Tacheles stammt aus dem Jiddischen und bedeutet so viel wie Ziel oder Zweck. Überlegen Sie also genau, bevor Sie etwas sagen, was Sie damit bezwecken wollen. Dann kommen Sie im Gespräch ohne Umschweife auf den Punkt und können wirklich etwas erreichen. So halten Sie eine Wunderwaffe gegen Unzufriedenheit in der Hand und der Empfänger versteht Ihre Botschaft.

Gerade dann, wenn sich viel verändert, sich Ihre Jobbeschreibung wandelt oder Aufgaben neu definiert werden, stehen Sie selbst, nicht das Unternehmen, in der Verantwortung klar zu formulieren, was Sie an Kompetenzen und Stärken in den Veränderungsprozess und ihre potenzielle neue Aufgabe einbringen können. Je klarer Ihnen selbst ist, was Sie von Ihrem Jobinhalt und Ihrer Funktion erwarten, desto höher ist die Chance, in einer Position zu landen, die Sie mit Leidenschaft ausfüllen. Damit treiben Sie Ihren und auch den Erfolg des Unternehmens voran.

Holen Sie sich Antworten!
Haben Sie sich schon einmal gefragt, was da eigentlich in Ihrem Unternehmen los ist und was das für Sie bedeutet? Gut! Denn wenn Sie nicht verstehen, was passiert, können Sie nicht wissen, welchen Teil Sie beitragen können. Bringen Sie also stets die Courage auf, Fragen zu stellen. Besonders, wenn Sie im mittleren Management tätig sind, sollten Sie nicht darauf warten, dass Ihnen vollendete Tatsachen präsentiert werden. Holen Sie sich stattdessen alle notwendigen Informationen, um Veränderungsprozesse in Ihrem Sinne mitzugestalten.

Machen Sie, was Sie wollen!
Wer tut, was andere wollen, überlässt denen die Verantwortung. Das hat den Vorteil, dass Sie die Schuld dann auch immer auf die anderen schieben können, wenn’s schiefgeht. Sie als Mitgestalter übernehmen aber bereitwillig Verantwortung für den eigenen Erfolg und sehen darin Ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Sie wissen ganz genau, welchen Job Sie machen wollen und sorgen mit Courage dafür, dass Ihre Tätigkeit dieser Idealvorstellung so nahe wie möglich kommt – im Zweifel wechseln Sie den Job, die Abteilung oder sogar das Unternehmen. Denn keiner gewinnt, wenn Sie nicht Ihr Bestes erreichen können, weil Sie unzufrieden sind.

Finden Sie Ihren Platz!
Ihre Leistung ergibt sich aus der Kombination Ihrer Leistungsfähigkeit (was können Sie?) und Leistungsbereitschaft (was wollen Sie?). Der Arbeitsplatz, an dem Sie diese Kombination maximal bespielen können, ist ideal. Dafür brauchen Sie vor allem eins: das Bewusstsein für die idealen Anforderungen, K. o.-Kriterien, aber auch Ihre Lernfelder. An Ihrem optimalen Arbeitsplatz können Sie optimale Leistung für sich und für das Unternehmen bringen.

Seien Sie auch mal illoyal!
Natürlich wünscht sich jedes Unternehmen loyale Mitarbeiter. Aber Loyalität gegenüber dem direkten Vorgesetzten passt nicht immer zur Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Letztere ist auf jeden Fall höher zu bewerten. Das kann auch mal bedeuten, dass Kritik am Verhalten des Chefs an höherer Stelle offenzulegen ist. Damit zeigen Sie Courage und Sie tun dem Unternehmen etwas Gutes. Solchen Mut gilt es dann allerdings auch von Unternehmensseite zu belohnen und nicht abzustrafen.

Bleiben Sie sich treu!
Weil sich in unserer Arbeitswelt so viel verändert, kann es schnell passieren, dass Sie nach einer Restrukturierung in einem Job landen, der Ihnen wenig bis gar nicht entspricht und auf den Sie sich freiwillig nie beworben hätten. Jetzt gilt es, sich treu zu bleiben. Sind Sie nur bockig oder bringen Sie wirklich weder Kompetenz noch Bereitschaft für die neue Aufgabe mit? Trifft das Zweite zu, vergessen Sie alle Ausreden, warum ein Aufgaben-, Job- oder Positionswechsel nicht infrage kommt und kümmern Sie sich drum. Das ist sowohl in Ihrem als auch im Sinne des Arbeitgebers. Denn Freude ist unser Motor für Erfolg. Unzufriedenheit treibt uns ins Abseits und gefährdet unsere Gesundheit.

Machen Sie Ehrlichkeit und Offenheit zu Ihren Stärken!
Als Mitgestalter bringen Sie ihre Sichtweisen und Vorstellungen zum Ausdruck. Das bedeutet nicht, dass Sie einfach drauflosreden und ungefiltert sagen, was Sie denken. Aber mit Ihrer Meinung hinterm Berg zu halten ist keine Option. Dann überlassen Sie den Change anderen und machen sich zum Opfer der Ereignisse. Also passen Sie Ihren Grad an Ehrlichkeit und Offenheit bewusst Ihren Zielen an. Überlegen Sie, was sinnvoll zu tun ist, um Zufriedenheit und Erfolg positiv zu beeinflussen. Und behalten Sie dabei die eigenen Interessen und die Ihres Arbeitgebers im Blick.

Hinterfragen Sie sich!
Wer seine eigenen Stärken und Schwächen kennt, sie immer wieder mit der Sichtweise anderer abgleicht, sorgt für ein realistisches Selbstbild. Daher ist das Einholen von Feedback und der Abgleich mit eigenen Einschätzungen ein wichtiger Kompass für Klarheit.

Eine Unternehmenskultur der Mitgestaltung
Ein Arbeitgeber, der diese Klarheit und Courage wertschätzt, fördert und als existenziell notwendige Bestandteile einer zeitgemäßen Unternehmenskultur akzeptiert, hat die besten Chancen, den stetigen Wandel erfolgreich umzusetzen und gibt Ihnen die Möglichkeit, nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Mitgestalter zu sein.

 

 

Nicole Pathé, Expertin für Personal- und Organisationsentwicklung, berät und unterstützt mit ihrem Unternehmen pingcom seit mehr als 20 Jahren mittelständische Firmen. Ihr Praxiswissen und ihre Kernbotschaften für eine moderne Arbeitswelt für Unternehmen und Menschen gibt sie in ihren Büchern und Vorträgen weiter. Ihr aktuelles Buch Vom Mitarbeiter zum Mitgestalter ist aktuell im Gabal Verlag erschienen.