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Schluss mit der Vogel-Strauß-Taktik

Schluss mit der Vogel-Strauß-Taktik
Ene, mene, muh und raus bist du: Die Arbeits- und Unternehmenswelt befindet sich in einem radikalen Umbruch.

„Die Digitalisierung? Betrifft mich nicht.“ Viele Manager, insbesondere diejenigen, die keine „Digital Natives“ sind, stecken angesichts der digitalen Transformation ihren Kopf in den Sand – und laufen damit Gefahr, beruflich den Anschluss zu verlieren.

Die Lufthansa will mehrere tausend Mitarbeiter durch Branchenfremde mit Kenntnissen in Digitalisierung und Innovation ersetzen. Zalando streicht bis zu 250 Online-Marketing-Jobs, weil deren Aufgaben künftig von Algorithmen erledigt werden. Die digitale Transformation ist längst in den Unternehmen angekommen, die Auswirkungen auf Karrieren lassen sich nicht länger ignorieren. Doch nach wie vor trifft man auf Führungskräfte wie Mitarbeiter aller Hierarchieebenen, die darauf beharren, dass die Digitalisierung in ihrem eigenen Berufsleben nicht relevant ist. Vor allem die Manager, die in der „Old Economy“ groß geworden sind, tun sich mit der Entwicklung schwer. So hieß es seitens des Lufthansa-Managements beispielsweise, dass zwei Drittel aller Entscheidungsträger beträchtliche Wissenslücken in Sachen Digitalisierung hätten.

Wohin die Reise „Digitalisierung“ genau geht, weiß niemand. Doch die Vogel-Strauß-Taktik à la „mich wird es schon nicht betreffen“ ist riskant. Schneller als gedacht ist die Karriere im Umbruch – und das sehr oft in einem Alter, in dem es nicht mehr so einfach ist, eine adäquate neue Stelle zu finden.

Warum scheitern Karrieren heute?

Bei vielen Managern ist eine große Verunsicherung, ja geradezu Angst vor den dynamischen Veränderungen durch die Digitalisierung zu beobachten. Sie neigen dazu, immer noch in der bisherigen Komfortzone erlernter Verhaltensmuster zu verharren – sei es nun aus Angst oder einfach aus Bequemlichkeit. Dabei sollte sich jede Fach- und Führungskraft fragen, ob sie mit Gewissheit sagen kann, dass sie „digital kompetent“ ist und die geforderten Qualifikationen mitbringt. Und auch sonst fachlich, methodisch und persönlich auf dem Laufenden ist.

Um sich auf eine digitale Arbeitswelt vorzubereiten, reichen allein die Kenntnisse der neunen Technologien nicht aus. Natürlich sollten die neuen Technologien genutzt werden, um die persönlichen Arbeitsabläufe zu optimieren. Mehr noch aber geht es darum, auch ein agiles Mindset zu entwickeln. Dazu gehört zu allererst die Bereitschaft, die Verantwortung zu übernehmen: im Job, für die Weiterentwicklung der fachlichen Fähigkeiten, aber auch der Persönlichkeit. Es ist eine Bereitschaft erforderlich, Neues auszuprobieren, Risiken einzugehen und Fehler zu machen. Das Internet bietet beispielsweise zahlreiche kostenlose Weiterbildungen auf hohem Niveau, mit deren Hilfe man sich Kompetenzen dieser „neuen Arbeitswelt“ aneignen kann. Ein Element des agilen Mindset ist es, diese Möglichkeiten wahrzunehmen. Die Zeiten, in denen man entwickelt wurde, sind vorbei.

Autopilot aus, Ruder in die Hand

Gerade Führungskräften kommt hier eine Vorbildrolle zu. Sie müssen diese Haltung vorleben und die Entwicklung mitmachen. Es gilt nach wie vor der Grundsatz: Erfolg ist abhängig vom Können, vom Wollen und vom Dürfen. Selbstverständlich tragen hier auch die Unternehmen Verantwortung, insbesondere für das Dürfen.

Wer auf seinem beruflichen Weg bisher auf „Autopilot“ geschaltet und einfach die Jobs angenommen hat, die er schon beherrscht, wird es künftig schwerer haben, denn von Jobsicherheit kann heute niemand mehr ausgehen. Jobsicherheit heißt heute die Fähigkeit, sich den Job von morgen selbst zu sichern. Doch viele Arbeitnehmer, darunter auch viele Manager, sind es nicht gewohnt, langfristig zu denken. Sie haben keine Karrierestrategie, sondern wachen erst auf, wenn ihr Arbeitgeber beginnt, Trennungsgespräche mit ihnen zu führen, die Entlassung unmittelbar bevorsteht oder sich der Jobfrust fast schon bis zum Burnout hochgeschaukelt hat. Daher sollten sich Arbeitnehmer Profisportler zum Vorbild nehmen. Diese bereiten sich häufig schon während ihrer Karriere auf ihre zweite Karriere vor.

Erfolgreich mit dem richtigen Mindset

Plan B für Manager kann ein anderer Job in dem heutigen Unternehmen oder auch außerhalb sein, in der bestehenden oder einer anderen Branche. Vielleicht kommt auch der Sprung in die Selbstständigkeit in Frage. Wichtig ist, dass Manager ihre Karriere proaktiv und unabhängig von ihrem Arbeitgeber planen. Sie benötigen eine Exit-Strategie und sollten gehen, sobald es keinen Spaß mehr macht, sie sich nicht weiterentwickeln können – und bevor sie „gegangen“ werden.

Ebenso gehört zu einer Karrierestrategie die Analyse: Welche Kompetenzen, welches Wissen und welche Eigenschaften besitze ich? Welche muss ich entwickeln, um für potenzielle Arbeitgeber wertvoll zu sein? Was genau ist mein Nutzen für Unternehmen? Warum sollte man mir auch noch in drei oder fünf Jahren einen Job anbieten? Welchen Marktwert besitze ich heute und welchen morgen? Hilfreich ist, hier die Perspektive potenzieller Arbeitgeber einzunehmen. Erfolgreich agieren kann, wer seinen speziellen Nutzen für den Arbeitsmarkt kennt, verständlich aufbereitet und sich zielgruppenorientiert vermarktet.

Denn langfristig erfolgreich werden künftig nur diejenigen sein, die sich vom Dasein als Unternehmensbewohner verabschieden und ihre berufliche Laufbahn proaktiv und eigenverantwortlich planen – also zum Unternehmer in eigener Sache werden. Gelingt es, das Mindset an die Erfordernisse der Zukunft anzupassen, gelingt der persönliche Paradigmenwechsel – und dann wird auch die Karriere in „Digitalien“ funktionieren.

 

 

Thomas Landwehr begann seine Karriere im Marketing und Vertrieb bei ExxonMobil. Nach Stationen in mittelständischen Unternehmen und Personalberatungen, machte sich der Betriebswirt 2008 als Karriereberater und -coach für Manager selbstständig.