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In sieben Schritten zur Kernbotschaft

In sieben Schritten zur Kernbotschaft
Personal Branding: Im Zentrum muss das „Ich“ stehen und nicht die Erwartungen anderer.

Die richtige Positionierung ist heute wichtiger denn je. Was für Unternehmen gilt, gilt spätestens im Zeitalter der Digitalisierung zunehmend auch für Führungskräfte. Sie haben eine Vorbildwirkung, von ihnen werden Haltung und Performance gefordert. Wie jeder zur Marke, zum Personal Brand wird, weiß Anke Nienkerke-Springer.

Schließen Sie einmal kurz Ihre Augen und stellen Sie sich vor, Sie dürften morgen vor der UN-Vollversammlung reden und eine Angelegenheit thematisieren, die Ihnen vor allen anderen am Herzen liegt. Und? Was würden Sie sagen? Springt Ihnen direkt ein Thema in den Kopf? Herzlichen Glückwunsch, das ist Ihre Kernbotschaft. Die Vision, die Sie antreibt, Höchstleistungen vollbringen und immer wieder über die eigenen Grenzen hinaustreten lässt. Die Mission, für die Sie auch andere – seien es Mitarbeiter, Freunde oder Bekannte – mitreißen können, weil Sie selbst voll und ganz dahinterstehen.

Wahrscheinlicher ist aber folgendes Szenario: Sie haben vielleicht eine vage Vorstellung von dem, was Sie vortragen würden. Vielleicht gibt es auch mehrere Themen, die Ihnen auf den ersten Blick gleich wichtig erscheinen. Oder aber Sie haben nicht den blassesten Schimmer. Jede dieser Varianten ist normal, denn die meisten Menschen beschäftigen sich nicht aus eigenem Antrieb mit ihrer Kernbotschaft. Ein fataler Fehler – denn hier liegt Ihr verborgenes Antriebs- und Motivationspotenzial. Um sich selbst nach vorne zu bringen, mit neuer Kraft weiterzumachen und möglichst viele Menschen auf dem Weg mitzunehmen. Wenn Sie das wollen, können Sie in sieben Schritten Ihre Kernbotschaft bestimmen und voll durchstarten.

Schritt 1: Lebensvision benennen

Sie brauchen mit Sicherheit keine großen Planungs- oder Zielerreichungstools, um Ihre Kernbotschaft zu formulieren. Stellen Sie einfach Ihre eigenen Überlegungen in den Fokus, indem Sie fragen:

  • Wie wurden Sie bisher zu der Person, die Sie sind?
  • Was waren entscheidende Ereignisse in Ihrem Leben?
  • In welche Richtung soll sich Ihr Leben entwickeln?
  • Welches Thema beschäftigt Sie immer wieder?

Lassen Sie diese Antworten später in Ihre Kernbotschaft einfließen.

Schritt 2: Ziele konkretisieren

Ein Ziel ist ein in der Zukunft liegender angestrebter Zustand mit eindeutiger Beschreibung. Und dass Sie diesen Punkt genau für sich festlegen ist besonders deshalb wichtig, weil Sie ohne ein Ziel gar nicht loslegen können. „Wer nicht weiß, wohin er segeln möchte, für den steht der Wind immer ungünstig“, heißt es im Volksmund. Oder anders gesagt: Ohne Ziel wird der Weg beliebig und der richtige Start ist bereits ausschlaggebend für die Zielerreichung. Für Ihre Zielformulierung sollten Sie folgende Fragen beantworten:

  • Zielverantwortung: Wer wird aktiv?
  • Zielinhalt: Was soll erreicht werden?
  • Zielfrist: Bis wann soll es erreicht werden?
  • Zielerfolg: Woran wird die Zielerreichung gemessen?
  • Zieleinflussgrößen: Welche Randbedingungen gilt es zu berücksichtigen?
  • Inwiefern unterscheidet sich der Zustand nach Zielerreichung von dem davor?

Schritt 3: Auf Highlights fokussieren

Gehen Sie in Gedanken alle Situationen durch, die Sie rückblickend als Highlight klassifizieren würden – und zwar im beruflichen ebenso wie im privaten Kontext. Denn Selbstmotivation entsteht immer dann, wenn Sie Ihre Ziele festgelegt haben und sie mit Ihren Stärken, Präferenzen und Erfahrungen in Einklang bringen. Ihre Positiverlebnisse und die Kenntnis um eigene Stärken geben Ihnen Hilfestellung bei der Formulierung Ihrer Kernbotschaft.

Schritt 4: Kompetenz- und Stärkenanalyse

Die eigenen Kompetenzen annähernd objektiv zu beurteilen ist für die meisten nahezu unmöglich. Wir sind zu nah dran, haben vorgefertigte Muster und Antworten im Kopf. Aber, keine Sorge, es gibt eine einfache Lösung: Lassen Sie es jemand anderen machen! Mitarbeiter, aber auch Kunden haben einen objektiveren Blick auf Ihre Fähigkeiten. Durch die Befragung mehrerer Personen erhalten Sie im Idealfall ein 360-Grad-Feedback, das Ihre Kompetenzen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Auch ein externer Berater kann auf dieser Stufe hilfreich sein. Der Bremer Gehirnforscher und Neurobiologe Gerhard Roth betont, dass wir zur Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung eine externe Instanz benötigen, da sämtliche Versuche andernfalls wirkungslos bleiben. Folgende Fragen steuern Ihre Analyse:

  • Über welche spezifischen Fachkompetenzen und Stärken verfügen Sie?
  • Gibt es methodisch-strategische Kompetenzen, die bei Ihnen besonders ausgeprägt sind?
  • Was ist mit Ihrem EQ, also Ihrer emotionalen Intelligenz?

Schritt 5: Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsgrad feststellen

Warum vertrauen Ihnen andere Menschen? Aus welchen Gründen halten sie Sie für eine glaubwürdige Person? Womit haben Sie sich den Respekt anderer Menschen verdient? Fragen Sie enge Verwandte und beste Freunde gezielt nach Ihrer ehrlichen Meinung. Andere Menschen können Sie nur dann mitreißen, wenn sie Ihnen vertrauen. Falls Sie nachbessern müssen, lohnt es sich, hier Zeit und Energie reinzustecken.

Schritt 6: Formulieren Sie SMART

Ich denke, zu der SMART-Formel muss ich nicht mehr viele Worte verlieren – aus dem Zielerreichungsmanagement kennen Sie diese vermutlich zu Genüge. Aber auch in Bezug auf Ihre Kernbotschaft, ist die vielerprobte Formel das Mittel der Wahl, um etwas Konkretes zu Papier zu bringen und im Kopf zu verankern.

Spezifisch: Formulieren Sie klar, einfach und verständlich. Eine kryptische Kernbotschaft hilft niemandem.

Messbar: Mit Ihrer Kernbotschaft möchten Sie einen Effekt erzielen, der irgendwo qualitativ oder quantitativ messbar ist.

Attraktiv: Das Ziel hinter Ihrer Kernbotschaft sollte nicht alltäglich sein, aber gleichzeitig möglichst viele Menschen berühren, die Sie für Ihr Ziel begeistern. Es muss nicht gleich der Weltfrieden sein, aber ein Ziel, das rein auf Ihren persönlichen Vorteil ausgerichtet ist, wird ebenfalls niemanden vom Hocker reißen.

Realistisch: Haben Sie alle Ressourcen zur Verfügung, die Sie für Ihre Zielerreichung brauchen?

Tat: Eigentlich steht das „t“ bekanntlich für terminieren. Hier geht es aber noch nicht darum, ins Ziel zu schießen, sondern erst einmal loszugehen. Sie wollen möglichst viele Menschen ins Tun bringen – versehen Sie Ihre Kernbotschaft also mit Handlungsimpulsen, die Sie selbst und andere aufgreifen können.

Schritt 7: Stolpersteine umgehen

Fast geschafft! Jetzt sollten Sie bereits eine recht genaue Vorstellung von Ihrer Kernbotschaft haben und wissen, was Sie wie zu Papier bringen wollen. Damit Sie auf den letzten Metern nicht doch noch eine falsche Abfahrt erwischen, hier noch ein paar Stolpersteine, die Ihnen bei der Formulierung vor die Füße fallen können und um die Sie besser einen Bogen machen:

Stolperstein 1: Zu wenig Emotion: Sie müssen Emotionen auslösen, in den Menschen, die Sie mitreißen wollen. Und zu diesem Zweck brauchen Sie große Bilder und emotionale Botschaften. Versuchen Sie sich Ihre Kernbotschaft wie einen Hollywood-Blockbuster vorzustellen. Wenn das reibungslos funktioniert, sind Sie auf einem guten Weg.

Stolperstein 2: Ihre Kernbotschaft ufert aus: Ebenso wichtig wie alles Relevante aufzunehmen, ist die Fähigkeit, Überflüssiges zu erkennen und wegzulassen. In zwei bis drei Sätzen sollten Sie die Substanz Ihrer Kernbotschaft auf den Punkt bringen können.

Der größte Stolperstein zum Schluss: Verharren Sie nicht in ewigen Planungen. Ab einem gewissen Punkt müssen Sie loslaufen. Gute Reise!

 

Michael Wiegmann

 

Dr. Anke Nienkerke-Springer, Expertin für Kommunikation in Transformationsprozessen, veröffentlichte im August 2018 ihr Praxisbuch Personal Branding durch Fokussierung – in zehn Schritten zur einzigartigen Persönlichkeit. Darin zeigt sie, wie jeder in zehn Schritten seine eigene Branding-Strategie erstellt, wie aus einem Persönlichkeits-Rohdiamanten ein geschliffener Edelstein wird und wie man so auf der Veränderungswelle surft.