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Führen mit Empathie

Führen mit Empathie
Führungskräfte sind heute in erster Linie Beziehungsmanager.

Wer Menschen führen will, muss sie mögen. Denn nur so entstehen Beziehungen, Nähe und Vertrauen. Der Kitt dabei ist Empathie. Was einfach klingt, ist eine große Herausforderung, weiß Ilka Piechowiak.

Empathie ist der Kitt, der Mitarbeiter und Führungskraft bindet, Teams zu High Performance-Teams macht und Raum für individuelles und Unternehmenswachstum bietet. Führungskräfte, die mit sich im Reinen sind und das auch ausstrahlen, sind dazu fähig, dieser Kitt zu sein. Was einfach klingt, ist allerdings eine große Herausforderung.

Denn Führungskräfte sind heute in erster Linie Beziehungsmanager. Da geht ohne die viel zitierten Soft Skills – allen voran Empathie – nur wenig. Was eine 2017 publizierte Langzeitstudie der University of Illinois und der Loyola University Chicago bestätigt: 18 Jahre lang wurden rund 97.000 Kinder und Jugendliche bis ins Erwachsenenalter wissenschaftlich begleitet. Das Ergebnis zeigt die zentrale Bedeutung emotionaler und sozialer Kompetenzen – eine davon die Empathie – für den beruflichen Erfolg. Ausgestattet mit der Fähigkeit, sich in andere hineinfühlen zu können, verstehen Führungskräfte ihre Mitarbeiter in der Regel besser. Sie spüren Stimmungen schneller und ahnen früh, wie es der oder dem Betreffenden geht. Darüber hinaus hilft Empathie, wertschätzender zu kommunizieren. Haben Führungskräfte zudem die Offenheit, auch von sich etwas preiszugeben, bringt das Nahbarkeit und Menschlichkeit in den sachbetonten Arbeitsalltag und fördert die emotionale Mitarbeiterbindung. Es stärkt sie als Chef oder Chefin in ihrer Authentizität und damit Glaubwürdigkeit, denn sie zeigen echtes Interesse und wirken menschlich.

Vor der wertvollen Begegnung mit den Mitarbeitern steht zuerst die Begegnung mit sich selbst

Die Krux: es ist nicht so einfach, wie es klingt. Im Gegensatz zum fachlich-sachlichen Know-how, handelt es sich bei Soft Skills – wie zum Beispiel der Empathie – um menschliche Fähigkeiten und Facetten, die nur bedingt lernbar sind; und nicht von jeder Führungskraft mitgebracht werden. Der Weg zur Fähigkeit, Menschen mit dem Herzen zu erreichen, führt daher über die Bereitschaft, etwas von sich preiszugeben und vor allem mit den eigenen Gefühlen und denen anderer besser oder anders umgehen zu lernen.

Wie man die Rolle als Führungskraft ausfüllt, hängt also im Wesentlichen mit der Selbstsicherheit und dem Selbstwert zusammen. Um der eigenen Beziehungsfähigkeit und Nahbarkeit weiter „auf die Schliche“ zu kommen, steht vor der wertvollen Begegnung mit den Mitarbeitern demnach zuerst die Begegnung mit sich selbst.

Dabei heißt Selbstsicherheit, keine Ängste zu haben respektive die eigenen Ängste zu kennen, die unbewusst dazu verleiten, etwas zu tun oder zu lassen. Es bedeutet somit auch, mit den Ängsten angemessen umgehen zu können. Habe ich Angst, dass mich mein Mitarbeiter überholt und besser wird als ich? Muss ich im Meeting den Chef raushängen lassen, weil mein Vorgesetzter eventuell auch anwesend ist und ich beweisen möchte, dass ich in meinem Team durchgreifen kann? Oder halte ich im Meeting mit Kollegen vor meinen Mitarbeitern lieber den Mund, weil ich Angst habe, dass ich sonst bei meinen Kollegen als hoffnungslos unwissend oder ‚out‘ dastehe?

Anderen Menschen authentische Wertschätzung entgegenbringen

Jeder kennt wahrscheinlich alle solche oder ähnliche Bedenken, die zu bestimmten Verhaltensmustern führen. Statt der Situation mit Kollegialität und Mut zur Lücke zu begegnen und so ein gutes Beziehungsklima zu Kollegen oder Mitarbeitern zu schaffen, agieren wir ungünstig: Wir nehmen uns im Meeting lieber zurück, weil wir unsicher und nicht selbstsicher sind. Mitarbeiter werden eventuell nicht mit allen Informationen ausgestattet, ausgebremst oder nicht weiterentwickelt. Nur aus Angst, sie könnten besser sein als wir selbst. Die Betreffenden spüren das und es beeinflusst im mehrfachen Wiederholungsfall das Vertrauen in uns als Führungskraft.

Selbstwert ist verknüpft mit der Frage: Wie sehe ich mich selbst? Was halte ich von mir? Aus der Antwort ergibt sich der Selbstwert und/oder Minderwert – was ich mir selbst wert bin oder eben nicht. Habe ich eine aufrichtige, tief verankerte Wertschätzung für mich als Mensch, so, wie ich bin, für das, was ich tue? Kann ich auch anderen Menschen – meinen Kollegen und Mitarbeitern – authentische Wertschätzung entgegenbringen? Ein wichtiger Aspekt der Beziehungspflege und vor allem der Nahbarkeit; und ein motivierender Impuls für die persönliche Entwicklung. Mit folgenden Fragen und Tipps stärken Sie Ihre Beziehungsfähigkeit im Kern für mehr Nahbarkeit und Menschlichkeit gegenüber Ihren Mitarbeitern:

Zeit für Ihre Selbstwertschätzung
– Können Sie sich selbst an Ihrem Geburtstag so richtig feiern?
– In welchen Momenten des Lebens gönnen Sie sich etwas und wie fühlen Sie sich dabei?
– Wie gehen Sie mit Feedback um, wenn es positiv ist? Wie, wenn es negativ ist?
– Sammeln Sie Feedback von den Menschen ein, die Ihnen guttun und Ihren Selbstwert ankurbeln.

Wie steht es um Ihre innere Zufriedenheit? Probieren Sie es doch mal mit „SELF“
Für mich persönlich galt schon immer das Motto: Erst das Vergnügen, dann die Pflicht. Das bin einfach ich. Trotzdem muss auch ich im stressigen Alltag aktiv dafür sorgen, dass die Freude und das Genießen nicht zu kurz kommen. Termine, Anfragen, Pflichten, Deadlines – all das scheint immer wie von selbst aufzutauchen und Führung übernehmen zu wollen. Sie wissen, wovon ich spreche. Wenn ich nicht aufpasse, lasse auch ich mich ganz schnell in diesen Strom aus Aufgaben und Verpflichtungen hineinziehen und vergesse darüber, meinen Bedürfnissen für meine innere Zufriedenheit genügend Rechnung zu tragen. Wann immer es geht, setze ich darum bewusst Erleben und Happiness an die erste Stelle. Dafür habe ich das Prinzip „SELF“ kreiert: Spiel, Erleben, Leichtigkeit, Freude. Ein Tag ohne SELF wäre für mich ein unausgewogener Tag. Und weil ich SELF diese hohe Priorität einräume, erlebe ich langweilige Tage eigentlich nie.

Wichtig: Um SELF auch tatsächlich zu praktizieren, müssen Sie die passenden Gelegenheiten erkennen und nutzen. Erlauben Sie sich, spontan zu sein und den Moment zu genießen. Formuliert in Anlehnung an die Transaktionsanalyse: Lassen Sie das freie Kind dauerhaft neben sich herlaufen und sperren Sie dafür den Kritiker einfach mal im Keller ein.

 

 

Ilka Piechowiak war 20 Jahre Leistungssportlerin und als Führungskraft in namhaften Unternehmen tätig. Heute führt die Ex-Handballnationalspielerin als Führungskräfte-Trainerin Mitarbeiter, Führungskräfte und Unternehmen zu mehr Erkenntnis und so zu mehr Erfolg. Wie es gelingt, durch die eigene Zufriedenheit u.a. mehr Leichtigkeit, Freude und vor allem angenehme Beziehungen für sich und andere zu schaffen, zeigt sie in ihrem Buch Jetzt bin ich mal dran. Wie ein selbstbestimmtes Leben gelingt.