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Mitarbeitermotivation: Fun statt Boni

Mitarbeitermotivation: Fun statt Boni
Die Gamification rückt den Spaß an Dingen, die Mitarbeiter sowieso machen müssen, in den Vordergrund.

Was wäre, wenn Mitarbeiter für ihr Engagement statt Bonuszahlungen Spiel und Spannung bekämen? Gibt’s nicht? Doch. Wie der Spaßfaktor funktioniert weiß Thomas W. Künstner.

Um auf flexible Nachfrageschwankungen reagieren zu können, beschäftigte ein Callcenter Heimarbeiter. Stieg das Anrufaufkommen, erhielten sie eine SMS – alles auf freiwilliger Basis. Damit möglichst viele Mitarbeiter diese Möglichkeit wahrnahmen, testete der Betreiber verschiedene Incentives wie beispielsweise doppelte Bonuszahlungen. Alles jedoch erfolglos. Mit einer kleinen Änderung schaffte er, die Teilnahme um bis zu 80 Prozent zu steigern.

Die Mitarbeiter haben die Wahl: Entweder sie bekommen pro Abschluss eine höhere Provision oder der Arbeitgeber zahlt diesen Beitrag in die unternehmenseigene Lotterie ein. Je mehr der Mitarbeiter einzahlt, desto höher seine Gewinnchancen. Vor der Ziehung verdoppelt das Unternehmen den gesamten Einsatz. Ein Mitarbeiter gewinnt schließlich den gesamten Jackpot. Jeden Tag wird ein Gewinner bekannt gegeben und gefeiert. So ungewöhnlich die Methode auch sein mag, den Mitarbeitern gefällt es. Dabei geht es vielen Mitarbeitern nicht um die Aussicht auf den Gewinn, sondern um den Spaßfaktor.

Was dieses Beispiel zeigt – und was für jede Art von Spiel gilt: Es basiert auf klaren Regeln, einem vorgegebenen Ziel und einem direkten Feedback. Und – der wichtigste Aspekt – die Mitarbeiter müssen sich aus eigenem Antrieb darauf einlassen. Spielt ein Junge zum Bespiel Fußball, weil er oder seine Eltern glauben, dass es ein guter Weg ist, um reich zu werden, wird er es vermutlich nicht bis zum Profi schaffen. Denn dann ist Fußball für ihn kein Spiel mehr, für die anderen Spieler aber schon. Und dieser Unterschied in der Motivation ist kaum auszugleichen.

Der Antrieb versetzt Berge

Ob Unternehmer, Mitarbeiter oder Privatperson – man gewinnt viel, wenn es gelingt, Dinge mit der Haltung eines Spielers anzugehen. Wie dieser simple Mechanismus in der Arbeitswelt funktioniert, zeigt ein Beispiel vom Microsoft: Jedes Mal, wenn eine neue Version des Betriebssystems auf den Markt kommt, müssen Fehlermeldungen und Dialogboxen in 192 Sprachen übersetzt und geprüft werden. Dass das ein mühseliges Unterfangen ist, versteht sich von selbst. Doch mit einer einzigen zusätzlichen Komponente ist es dem Unternehmen gelungen, einen großen Teil des Problems zu lösen: mit Spaß!

Der Leiter der Testabteilung machte aus der Aufgabe ein weltweites Spiel: Jeder Mitarbeiter kann sich im System anmelden und dort die Fehlermeldungen in seiner Sprache auf Verständlichkeit prüfen. Für jeden gemeldeten Fehler gibt es Punkte. Erst wenn alle Menüs und Fehlermeldungen übersetzt und geprüft sind, kommt in dem jeweiligen Land die neue Version auf den Markt. Und das ist der Preis, den es zu gewinnen gibt. Jedes Land kann in einem Ranking sehen, wo es steht und wie viele Codes noch fehlen.

Obwohl es in diesem Fall kein Geld für die Mitarbeiter gibt, kommt so ein intensiver Wettbewerb ins Rollen. Es werden sogar Windows Days veranstaltet: Mitarbeiter greifen nachts oder am Wochenende auf das Portal zu, um den Schlussspurt zu unterstützen. Das Spiel ist so einfach wie simpel: klares Ziel, einfache Regeln, unmittelbares Feedback. Die Mitarbeiter gehen inzwischen mit einer ganz anderen Haltung an die Aufgabe: Sie wollen das Spiel gewinnen. Und genau das ist Gamification, der Spaß an den Dingen, die wir sowieso machen müssen, wird in den Vordergrund gerückt.

Sechs Tipps zur konkreten Umsetzung:

  • Definieren Sie Ihre Ziele: Welches Problem wollen Sie konkret lösen? Welches Ziel soll mit dem Spiel erreicht werden? Werden Sie dabei so konkret wie möglich.
  • Beschreiben Sie die Spieler: Legen Sie zunächst fest, wer an dem Spiel teilnehmen kann und soll. Sind das die Teilnehmer eines Workshops, einer Abteilung oder alle Mitarbeiter des Unternehmens? Halten Sie auch die jeweilige Motivation fest und beachten Sie, dass diese sehr unterschiedlich sein kann.
  • Legen Sie die Zielaktivitäten fest: Sie brauchen ein exaktes Verständnis, wozu Sie die Spieler bringen wollen. Hier geht es um Aktivitäten, die im Geschäftskontext zählen. Ferner Sie entscheiden, ob es einen Preis zu gewinnen gibt, oder ob es ein Wettbewerb ist, bei dem es ums Gewinnen an sich geht.
  • Legen Sie den Spielzyklus fest: Ein Spiel hat einen definierten Anfang und ein festes Ende. Das kann entweder eine zeitliche Begrenzung oder ein konkretes Ziel sein.
  • Integrieren Sie Spaß: Sie werden merken, dass es zunächst nicht leicht ist, ein gutes Spiel zu entwerfen. Daher ist es wichtig, den Zweck nicht aus den Augen zu verlieren: den Spaß. Hier müssen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl und das Feedback der Mitarbeiter verlassen.
  • Planen Sie Ihr Spiel: Lassen Sie sich von der Komplexität nicht abschrecken. Nähern Sie sich dem Thema spielerisch. Wenn Sie ein zu lösendes Problem im Auge haben, dann spielen Sie zunächst mit der Idee. Testen Sie Ihre Idee und durchdenken Sie sie Schritt für Schritt.

Ich kann Ihnen nur raten, diesen Game-Ansatz auszuprobieren. Sie werden staunen, mit welcher Motivation und welchem Engagement Ihre Mitarbeiter in Zukunft Ihre Aufgaben erledigen. Unabhängig davon, ob ihnen ein Gewinn in Aussicht gestellt wird oder nicht. Sie müssen nur den richtigen Nerv treffen. Den Nerv des Spielers.

 

Thomas W. Kuenstner

 

Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium in Passau und England startete Thomas W. Künstner seine Karriere bei der Consulting-Firma Booz & Company im Bereich Media- und Entertainment Practice, dessen Führung er als Partner später selbst übernahm. Mittlerweile ist er mit einer Investment- und Beratungsunternehmen selbstständig sowie als Magier und Mentalist immer wieder auch auf der Bühne.