» » Der Lügendetektor fürs Business

Der Lügendetektor fürs Business

Der Lügendetektor fürs Business
Wer Lügen erkennen will, muss den Raum für Wahrheit schaffen und es Lügnern unmöglich machen, überhaupt lügen zu können.

Eines gleich vorweg. Sie werden belogen. Täglich! Vor allem im Geschäftsleben. Warum? Es lässt sich leichter mit einer Lüge als mit der so oft schmerzlichen Wahrheit leben, weiß Niclas Lahmer.

Wir Menschen flunkern. Und oft sind diese Flunkereien verkraftbar, wenn nicht sogar verzeihbar. Doch leider ist ein Teil der Lügen, die wir täglich hören, böse gemeint und hat manchmal sogar niederträchtige Absichten.

Wir alle haben unterschiedliche Gründe zu lügen. Vor allem im Berufsalltag ist es nicht immer einfach, Lügen erkennen zu können. Selbst wenn wir das Glück haben und die Unwahrheit als solche enttarnen, heißt das nicht, dass wir auch wissen, wie wir mit dieser umzugehen haben. Als Faustregel gilt: Wer Lügen erkennen will, muss den Raum für Wahrheit schaffen und es Lügnern unmöglich machen, überhaupt lügen zu können. So gehen Sie mit folgenden drei Lügner-Typen am besten um:

Die Ja-Sager-Lüge

Die Chefin präsentiert ihr Konzept für den anstehenden Produktrelaunch. Ihr Kollege denkt: „Das mit dem Relaunch wird nichts! Nicht mit dieser Planung“. Als er dann um seine Meinung gefragt wird, lügt er und antwortet: „Schon wieder eine geniale Idee von Ihnen! Ich finde sie klasse!“

Denn der Ja-Sager vermeidet es, Probleme im Betrieb direkt und öffentlich anzusprechen. Das Fehlen von Mut, Courage oder auch eine Kombination aus Zweifel an der eigenen Kompetenz oder an der eigenen Aufgabe, können gute Gründe für den Ja-Sager sein, gegen die eigenen Wünsche zu sprechen und Herausforderungen einfach abzunicken. Der Ja-Sager lügt also aus sozialer Verträglichkeit. Er möchte den Gesprächsteilnehmern nicht schaden, widersprechen oder gar negativ auffallen. Er agiert nach dem Motto: „Nicht auffallen, alles absegnen und weiter machen. Es wird sich eh nichts ändern.“

Damit der Ja-Sager dem Betrieb nicht schadet, sondern das Unternehmen in seiner Mission und Aufgabe unterstützen kann, ist es wichtig, ihn in das Team zu integrieren sowie einen besonderen Fokus darauf zu setzen, seine Meinung mit in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen.

Ist der Ja-Sager als solcher bekannt, sollte man ihn bitten, im Meeting die Gegenposition einzunehmen. Bilden Sie dafür zwei Gruppen: Die eine sammelt alle Informationen für die neue Idee. Die andere nimmt die Kontra-Position ein. Der Ja-Sager kriegt so die Chance, unterschwellige Ängste sowie Wut loszuwerden und wird gleichzeitig in seiner Position im Team gestärkt. So fordern Sie ihn nicht, sondern geben ihm eine Position, die seinen typischen Antworten widerspricht.

Der Ausreden-Kaiser

Der Abschlussbericht ist nicht termingerecht fertig geworden. Als die Chefin den verantwortlichen Mitarbeiter darauf anspricht, schiebt er die Schuld auf den Projektmitarbeiter, der angeblich die Excel-Tabellen nicht rechtzeitig gesendet hat – was jedoch nicht der Wahrheit entspricht. Denn der Ausreden-Kaiser denkt sich: „Dem Kollegen sage ich einfach, seine E-Mail hat mich nicht erreicht.“ Im Gespräch selbst aber lügt er und erklärt: „Es gab die Vorgabe, alle aktiv mit einzubeziehen. Ich hatte schon von Anfang an ein schlechtes Gefühl dabei.“

Der Ausreden-Kaiser baut sein Lügen-Reich auf der Angst auf. Er möchte nicht schlecht vor dem Chef dastehen und ist bereit, im Notfall sogar über Leichen zu gehen. Weil es ihm an Rückgrat und Verantwortungsbewusstsein fehlt, schiebt er die Schuld gerne auf andere Teammitglieder. Dort liegt auch seine Schwachstelle, die gekonnt von Vorgesetzten ausgespielt werden kann.

Diese Art der Lüge ist allerdings niederträchtig und schadet Dritten – Notlügen sehen anders aus. Die Lügen des Ausreden-Kaisers haben böse Absichten, die es auf keinen Fall zu akzeptieren gilt. Wer hier nicht sofort agiert, muss mit den Konsequenzen leben. Geben Sie dem Ausreden-Kaiser daher Verantwortung. Denn obwohl er oft alles mögliche an Ausreden – jedoch kein Verantwortungsbewusstsein – kennt, muss er genau dieses kennenlernen. Er entgegnet: „Es gab die Vorgabe, alle aktiv mit einzubeziehen. Ich hatte schon von Anfang an ein schlechtes Gefühl dabei…“ Sie stellen daraufhin kühl und bestimmend fest: „Das ist absolut richtig! Doch ich muss mich in solchen Situationen auf Sie verlassen können. Auch wenn der Kollege einen Fehler gemacht hat, wir sind ein Team und unsere Ergebnisse eine Teamleistung. Sie sind also genauso verantwortlich für das Endergebnis. Und wenn Sie ein schlechtes Gefühl haben, muss ich mich vorher auf Sie verlassen können, dass Sie alles dafür tun, dass die Unterlagen bei der Abgabe korrekt sind. Ich kann mich doch auf Sie verlassen, oder?“ Erfragen Sie ruhig seine Kompetenz und stellen Sie heraus, dass Sie Verantwortung und Rückgrat verlangen. Beschuldigen Sie ihn aber niemals direkt, sondern verallgemeinern Sie die Leistung auf das komplette Team. Wenn der Ausreden-Kaiser einen royalen Status möchte, soll er sich diesen auch verdienen.

Der Vita-Frisierer

Das Tuning von Bewerbungsunterlagen ist in fast allen Fällen wie eine Modeschau. Personaler kennen dieses Problem nur zu gut. Das was sie sehen, ist nicht das, was sie bekommen! Selten wird irgendwo mehr gelogen, als bei Bewerbungen – mit Ausnahme von Dates. Menschen die ihre Vita frisieren tun dies aus ähnlichen Gründen wie Wichtigtuer lügen. Man möchte sich erfolgreich verkaufen – da wird das Produkt eben gerne mal besser dargestellt, als es eigentlich ist.

Oft haben wir Angst, dass jemand enttarnen könnte dass wir gar nicht so schön, erfolgreich, sexy oder in Fachfragen bewandert sind, als wir denken. Dieses Phänomen ist auch als Impostor-Syndrom bekannt – unter welchem laut Umfragen und Studien mindestens 70 Prozent aller Menschen mindestens einmal im Leben leiden. Die Frage, bin ich überhaupt gut genug und verdiene ich das überhaupt, kreist dabei oft durch die eigenen Gedanken. Jetzt heißt es, bluffen, verschleiern und besser darstellen, als es eigentlich ist. Hauptsache die Lücke im Lebenslauf oder im Selbstbewusstsein fällt nicht auf.

Hinterfragen Sie die Vita der Personen und lassen Sie sich die Geschichten der einzelnen Lebensabschnitte erzählen. Fragen Sie, wie es dazu kam und welche Menschen involviert waren. Lügner müssen dabei nämlich tiefer in die Trickkiste greifen, verhaspeln sich und fangen an, wirre Gedanken zu mischen. Oft überführen sich Lügner so ganz von alleine. Achten Sie dabei darauf, ob die Person ihre Gedanken konstruiert oder tatsächlich erlebt hat.

 

Niclas Lahmer

 

Niclas Lahmer ist Vortragsredner, Berater und Trainer im zivilen und militärischen Bereich. Als Ausbilder gehört es zu seinen Aufgaben, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. In seinem neuen Buch Der Lügendetektor fürs Business zeigt er einfach nachvollziehbare Techniken, um Unwahrheiten aufzudecken, Lügner zu entlarven und auch das nicht Offensichtliche zu erkennen.