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Rivalen, die es (so) nicht mehr gibt

Rivalen, die es (so) nicht mehr gibt
Levi's gegen Wrangler: Der harte Kampf um die Jeans (Werbeplakate).

Das Revival von Vinyl und Vintage kann nicht darüber hinwegtäuschen: Viele Dinge und Geräte, die einst ganz selbstverständlich unseren Alltag begleitet haben, sind irgendwann einfach verschwunden.

Und mit ihnen all die unglaublich wichtigen Kontroversen von damals: Dallas oder Denver? Beatles oder Stones? Adidas oder Puma? Jeder Ü40er ist ganz selbstverständlich zwischen diesen scheinbaren Fronten aufgewachsen.

Das Buch Rivalen, die es (so) nicht mehr gibt holt heiß umkämpfte Rivalitäten aus der Versenkung hervor – eine Einladung zur freudvollen Nostalgie. Denn die harten Gegensätze von damals erscheinen im heutigen Licht betrachtet eher so lustig, dass man sich die prädigitale Welt beinahe zurückwünschen könnte.

Viele damalige Rivalen haben sich gegenseitig aufgekauft oder sind von Dritten aus der gleichen Branche geschluckt worden: Eduscho und Tchibo, Geha und Pelikan, Agfa und Kodak – der Leitsatz wonach Konkurrenz das Geschäft belebt, erwies sich schließlich als Schimäre. Und weil viele Hersteller nicht die Zeichen der Zeit erkannten und den Anschluss an einen digitale Welt verschliefen oder diese Entwicklung völlig falsch einschätzten, sind sie heute Vergangenheit. So verpassten sowohl Kodak als auch Agfa die Digitalisierung in der Fotografie. Ähnlich wie die wunderbaren mechanischen und technischen dreidimensionalen Spielwelten aus Lego oder Fischtechnik heute – zumindest teilweise – unablässiger Konsolen-Klickerei zum Opfer gefallen sind.

Wirtschaftswunder der Elterngeneration

Rivalen, die es (so) nicht mehr gibt erinnert an eigene Entscheidungen, an Rivalitäten und Konkurrenzen in einer Zeit, als die Wahl zwischen dem einen und dem anderen ein Lebensgefühl spiegelte. Das Gefühl, sich zu positionieren in einer noch übersichtlichen Welt, von der niemand ahnte, wie schnell sie sehr viel komplizierter werden würde.

„Das Buch erinnert auch an eine Zeit, als immer beides zu bekommen nicht zulässig war. Wir waren (noch) nicht überflutet vom Tsunami einer stets komplett verfügbaren Warenwelt, sondern mussten unsere Alltagslieblinge noch sorgfältig auswählen. Die Entscheidungen hatten so ein Gewicht, weil die Möglichkeiten des Konsums überschaubar und symbolisch aufgeladen waren. Sie standen für das Wirtschaftswunder der Elterngeneration, für das Bedürfnis der Nachkommen, sich innerhalb dieser sich rapide verändernden und entwickelnden westlichen Konsum- und Lebenswelt zu organisieren“, so Gregor Hoppe.

Ein wunderbar nostalgischer Rückblick.

 

Rivalen die es so nicht mehr gibt von Gregor Hoppe.

 

Rivalen, die es (so) nicht mehr gibt
Leidenschaftliche Duelle unserer Jugend
von Gregor Hoppe, mit Illustrationen von Dirk Uhlenbrock
Prestel Verlag (1. Auflage, November 2016)
21,95 Euro
ISBN 978-3-7913-8245-6