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Was Menschen wirklich weiterbringt

Was Menschen wirklich weiterbringt
Wer Menschen wirklich helfen will, sich zu entwickeln, muss seine Herangehensweise an ihre Persönlichkeitsstruktur anpassen.

Erwachsene durchlaufen verschiedene Entwicklungsphasen. Die Vorstellung eines einheitlichen Coachingkonzepts läuft dem konträr entgegen. Daher muss man Menschen da abholen, wo sie stehen, ist Svenja Hofert überzeugt.

Jede Lebensphase hat ihre eigenen Fragestellungen: Wie finde ich den Beruf, der zu mir passt? Wer bin ich wirklich? Was ist der Sinn meines Lebens? Gerade bei solchen Fragen geht es allerdings nicht um direkte Ziele oder Hilfe zur schnellen Selbsthilfe, sondern um „Entwicklungsunterstützung“. Die Themen hinter diesen Fragen sind also immer ganzheitlich; man kann sie schwer rein beruflich betrachten. Und sie tangieren auch immer die Psychologie der Menschen – sowie das Weltbild und die Haltung des Coaches. Wie er oder sie auf die Welt sieht, so wird er oder sie auch coachen.

Das empirische Modell der Ich-Entwicklung nach Jane Loevinger hilft sowohl den Coaches als auch den Coachees zu verstehen, was Fragen wie die oben genannten mit persönlicher Entwicklung zu tun haben. Das Wissen darüber setzt Impulse, sich selbst und andere besser zu verstehen. Ferner gibt es einen Zugang zu der Frage, warum Menschen Unterschiedliches verstehen, wenn sie „Coaching“ hören. Sie konstruieren sich ihre Vorstellung davon ihrem Mindset entsprechend.

Was sind meine Stärken?

Wenn sich Menschen in der so genannten Richtig-Phase bewegen – wie 38 Prozent der Fach- und Führungskräfte –, wollen sie sich oft selbst finden. Sie möchten Teil einer Gruppe, aber innerhalb dieser auch Individuum sein. Sie nehmen noch gern die Standards ihrer Bezugsgruppe an, orientieren sich an Regeln oder Fachwissen. Sie wollen oft ein Coaching, das eher Beratung ist. Sie profitieren oft im Üben und Lernen auf der Verhaltensebene.

Ich will meinen Maßstäben gerecht werden!

In der Effektiv-Phase (30 Prozent) geht es mehr um etwas, an dem man sich übergeordnet ausrichtet. Doch was, wenn man den mächtigen eigenen Vorstellungen nicht gerecht wird? Dann geht es eventuell auch darum zu erkennen, dass die eigenen Wertvorstellungen eine selbstgewählte Möglichkeit sind, aber nicht die einzige. Entwicklung – und damit Entspannung – entsteht in diesen Fällen oft durch eine Flexibilisierung des Denkens. In der Effektiv-Phase ist das typische, zielorientierte Business Coaching angesiedelt.

Wer bin ich, wenn meine gesellschaftlichen und familiären Prägungen wegfallen?

In der Flexibel-Phase (15 Prozent) ist vieles relativ. Man kann unterschiedliche Perspektiven sehen und einnehmen. Damit geht ein Gefühl der Sicherheit verloren. Das Bedürfnis nach Coaching wird öfter zum Wunsch nach Sparring oder Dialog. Informationen zu den übrigen Phasen, wie zum Beispiel die Wir-Phase, finden Sie in meinem aktuellen Buch Hört auf zu coachen.

Fazit: Schauen Sie genauer hin, was der Coaching-Anlass ist. Fragen Sie sich: Geht es darum, schnell einen Knoten zu lösen oder steckt eine Fragestellung dahinter, die mit der Ich-Entwicklung zu tun haben könnte? Wollen Sie oder Ihr Klient sich entwickeln oder geht es nur darum, ein Problem zu lösen? Ganz wichtig, gerade für Führungskräfte: Können Sie mit dem bisherigen Denken überhaupt die Probleme lösen, vor denen Sie stehen?

Einige Studien deuten darauf hin, dass in höheren Positionen und Veränderungssituationen eine fortgeschrittene Ich-Entwicklung wirksamer ist. Warum? Das ist ganz einfach: Jede Phase öffnet den Blick ein wenig mehr. Und wer mehr erkennt, kann auch mehr hinterfragen. Zudem steigt die Selbstsicherheit. So können Konflikte wirksamer bearbeitet werden und das Glücksempfinden steigt.

 

 

Die Management- und Karriereberaterin Svenja Hofert ist Autorin von mehr als 30 Fachbüchern. Ferner leitet sie die Karriereexpertenakademie und das Weiterbildungsinstitut Teamworks. Zuletzt veröffentlichte Svenja Hofert „Hört auf zu coachen“.