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Twitter ist Trump(f)

Twitter ist Trump(f)
Donald Trump versucht wie kein anderer, mit 140 Zeichen aus dem "Twitter-Fenster" heraus die Welt zu regieren.

Donald Trump zieht im Weißen Haus ein. Als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika übernimmt er die Regierungstätigkeit der nach wie vor wichtigsten Wirtschaftsnation. „Eines steht jetzt schon fest, trotz aller Vorbehalte gegenüber seiner Person, kann man wohl in einem Punkt von ihm lernen,“ so Stefan Häseli.

Eines vorab, ob dieser Akt für die Welt gut ist oder wie schlecht es werden wird, wenn der impulsive neue Präsident die nächsten vier Jahre nicht nur die Geschicke der USA, sondern damit verknüpft auch zu einem guten Teil die der Welt prägt, sei den politischen Beobachtern überlassen. Berechtigt sind zweifellos die Befürchtungen, dass Donald Trump mit seinen oft unverblümten Äußerungen weiterhin viele erschrecken wird. Schon jetzt staunt die Weltöffentlichkeit über das, was er sich verbal erlaubt. Dabei sei es durchaus spannend zu verfolgen, wie Donald Trump kommuniziert. Man muss hier zweierlei trennen: Auf der einen Seite ignoriert er sehr oft sämtliche Regeln einer konstruktiven Kommunikation und eines wertschätzenden Feedbacks. Das ist ohne Frage etwas, das mir missfällt. Das andere ist, dass er, wie kaum ein anderer versucht, mit 140 Zeichen aus dem „Twitter-Fenster“ heraus die Welt zu regieren. Und darüber sollten wir nachdenken.

Die Sache auf den Punkt bringen

Unter diesem Aspekt ist es einen Versuch wert, das Bedrohliche vom Nützlichen zu trennen. Stellen wir die Angst vor dem Inhalt provokativer Statements einmal zurück, lässt sich rein kommunikationstechnisch daraus eine Menge lernen. Denn es geht darum, eine Sache auf den Punkt zu bringen. Damit wird die Diskussion angestoßen. 140 Zeichen reichen, um – ob positiv oder negativ – in die News zu kommen. Oder, etwas weniger spektakulär, ganz einfach ins Gespräch.

 


Twitter als Training
Wichtige Kernaussagen auf 140 Zeichen herunterzubrechen, ist harte Arbeit – aber sehr lehrreich. Ich habe das vor kurzem in einem Vortrag mit den wichtigsten Kernaussagen gemacht:

  • Die Welt der Kommunikation wird anspruchsvoller: Viel kommunizieren auf mehr Medien ergibt nicht zwangsläufig mehr Inhalt.
  • In der ganzen Euphorie und im Sog des vernetzten Denkens und der ganzheitlichen Ansätze: Im Markt muss nach wie vor verkauft werden.
  • Der Weg ist das Ziel. Mag meistens stimmen. Vergessen wir gleichwohl nicht: Ein schöner Zug nützt nichts, wenn er nicht in den Bahnhof einfährt.
  • Gefragt sind Lösungen der Probleme der Kunden, nicht nur Ergebnisse von Studien und Überzeugungen von Anbietern.

Das war für das Publikum attraktiv und mir half es, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vermeintliche Oberflächlichkeit kann also auch das Resultat von Tiefgang sein.


 

Wichtige Aussagen in 140 Zeichen zu packen, sei sicher nicht immer richtig – ganz besonders dann nicht, wenn es um globale Interessen geht. Aber die Kunst es zu können, sei wichtig! Noch werde diese Fähigkeit in der modernen Gesellschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit nicht wirklich und überall gut genutzt. Es zeugt keineswegs von Oberflächlichkeit, Informationen auf 140 Zeichen zu beschränken. Vielmehr muss so eine Kernaussage treffend formuliert werden. Anders sieht es natürlich bei komplexen Zusammenhängen aus. Wer das „Sowohl-als-auch“ beherrscht, ist ein „Commander in Tweets“.

Eine Qualität, die man lernen kann

Zu unterscheiden und abzugrenzen bleibe dabei, dass viel Schrott getwittert werde. Zu wenig wohlüberlegt erscheinen auch viele Posts von Donald Trump. Doch wer hat nicht selbst schon einmal eine Nachricht verschickt, ohne zu überlegen, was sie auslösen kann. Aber es ist eben ein Unterschied, ob eine unklare E-Mail an einen guten Bekannten geht, oder ob der mächtigste Mann der Welt einen Amtskollegen mit Atomwaffen im Schrank beleidigt.

Auch wenn vieles nicht so heiß gegessen wird wie es gekocht wird, wie ich aus meinen Kontakten zu Politikern weiß. Wenn Donald Trump beispielsweise eine Twitter-Nachricht über Wladimir Putin postet, kann es sein, dass das persönliche Gespräch zwischen den Zweien längst stattgefunden hat und man voneinander sehr genau weiß, was man wirklich denkt. Womit sich der Kreis schließt: Eine Botschaft in einer 140-Zeichen-Meldung zu verfassen, ist eine Qualität, die man lernen kann und die immer wichtiger wird. Das Gespräch dazu ist aber nach wie vor und bis auf Weiteres durch nichts zu ersetzen. Klar ist, dass auch Donald Trump am Ende des Tages an Handlungen gemessen wird und nicht aufgrund seiner Posts.

 
Stefan Haeseli

 

Stefan Häseli regt als Speaker dazu an, wirkungsvolle Kommunikation im Alltag mit Spaß zu erleben. Der Schweizer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Alltagskommunikation und analysiert, inwieweit Politik in 140 Zeichen wirksam sein kann.