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Nur noch kurz die Welt retten …

Nur noch kurz die Welt retten …
"Es lohnt sich, den Blickwinkel auf die Gegenwart und die derzeitigen Entwicklungen radikal zu ändern", so Jürgen Schöntauf.

… lohnt sich tatsächlich! Jürgen Schöntauf verrät im Interview, wie Unternehmen Sinn stiften können und so langfristig erfolgreicher sind.

Seit über 20 Jahren zeigt Jürgen Schöntauf Unternehmern und Führungskräften, wie sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Der Keynote-Speaker ist Mitglied der Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung, der World Future Society und Future Circle Member des Zukunftsinstituts. In seinem aktuellen Buch Sinnstifter zeigt Schöntauf, wie sehr es sich für Führungskräfte lohnt, ihre Unternehmen von Grund auf neu auszurichten.

 
Die Ratgeber: Worum geht es in Ihrem Buch?

Jürgen Schöntauf: Der tiefe innere Kern des Buches ist Werteorientierung und Wertschätzung. Ich stelle in diesem Buch kleine und mittelständische Unternehmen vor, die auf Basis ihrer hervorragenden Unternehmenskultur und ihrer gelebten Werteorientierung nicht nur einfach Produkte herstellen oder Dienstleistungen anbieten, sondern auf unterschiedliche Art und Weise mit ihrem Handeln soziale und ökologische Verantwortung übernehmen und damit eine hohe gesellschaftliche Relevanz haben.

Bewusst zeige ich Beispiele aus dem deutschsprachigen Mittelstand, denn so haben auch viele andere Unternehmen die Möglichkeit, sich damit zu identifizieren und womöglich das ein oder andere für die eigene Strategie zu adaptieren. Wichtig dafür ist in der Regel ein Perspektivwechsel der Unternehmer aber auch der Mitarbeiter. Ich zeige, das es sich lohnen kann, den Blickwinkel auf unsere Gegenwart und die derzeitigen Entwicklungen womöglich radikal zu ändern, um endlich wahrzunehmen, wie viele Alternativen wir tatsächlich für unser Handeln haben.

Die Ratgeber: Was war Ihre Motivation für das Buch?

Schöntauf: Ein Grund ist meine eigene Werteorientierung. Ich bin ein großer Optimist und habe die feste Überzeugung, dass wir zwar nicht in einer perfekten, aber immerhin in einer guten Welt leben dürfen. In der jeder von uns die Möglichkeit hat, sie immer besser zu machen. Wir gestalten unsere Zukunft selbst, und zwar hier und heute.

Ein weiterer Grund ist, dass das Unternehmertum bei uns in Deutschland nicht besonders gut angesehen ist. In Berufe-Rankings findet man den Unternehmer immer im unteren Drittel. Unsere Kinder wachsen mit einem seltsamen Unternehmerbild auf. In vielen Kinderbüchern- und filmen ist häufig ein Unternehmer der Bösewicht oder zumindest derjenige, der das Leben von Mama und Papa schwer macht. Und auch die Presse fördert dieses Bild: Das Handelsblatt titelte mal über eine Tatort-Folge: „Und Ende ist der Unternehmer der Bösewicht.“

Gibt es in Konzernen Skandale wie im letzten Jahr bei VW, unterscheidet der normale Bürger nicht zwischen Manager und Unternehmer. Daher wollte ich in meinem Buch zeigen, das wir nicht alle in einen Topf werfen dürfen. Es gibt tolle Unternehmerinnen und Unternehmer, die werteorientiert und wertschätzend handeln und erheblich mehr machen, als einfach nur Profit. Sie haben es verdient, gesehen zu werden und können als positives Beispiel dienen.

Die Ratgeber: Was ist Ihrer Meinung nach die Aufgabe eines Unternehmens?

Schöntauf: Ein Unternehmen muss auf jeden Fall rentabel wirtschaften. Wer danach nicht strebt, wird nicht in der Lage sein, Arbeitsplätze zu schaffen, wichtige Innovationen zu entwickeln, Steuern zu zahlen und letztendlich dem Gemeinwohl zu dienen.

Meiner Meinung nach haben alle Unternehmen aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung – und hier gibt es noch einen großen Nachholbedarf. Viele haben einfach noch nicht erkannt, dass je sinnstiftender ein Unternehmen am Markt agiert, es immer interessanter für Kunden, potentielle Mitarbeiter oder Investoren wird.

Die Ratgeber: Gibt es einen Unterscheid zwischen lange am Markt agierenden Unternehmen und Start-ups?

Schöntauf: Es kommt weniger auf das Unternehmen, sondern vielmehr auf die Person an der Unternehmensspitze an. Ich habe beobachtet, dass alle Unternehmer, die sehr viel Wert auf eine gute Unternehmenskultur und Werteorientierung legen und damit sehr erfolgreich sind, sich permanent um ihre persönliche Weiterentwicklung kümmern. Alle von ihnen wurden oder werden von einem Coach begleitet. Dort, wo es keine gute Unternehmenskultur gibt und die Mitarbeiter extrem unzufrieden sind, lehnen die Unternehmer Methoden wie ein Coaching für sich persönlich ab. Dort zählt in der Regel oft nur das operative Tagesgeschäft.

Die Ratgeber: Wie ist Sinnstiftung UND Profit in Unternehmen umzusetzen?

Schöntauf: Ich habe in meinem Buch sieben Punkte definiert, die bei allen Unternehmen, die erfolgreich Sinnstiftung und Profit miteinander verbinden, zu beobachten sind. Diese sieben „MindShift-Steps“ sind Kultur und Werte, Führung, Vernetzung, Beziehungen, Leidenschaft, Bildung und Gewinn. Die Basis für den Erfolg ist aber immer eine gute Unternehmenskultur und eine gelebte Werteorientierung. Wenn das nicht gegeben ist, können die anderen Steps nicht funktionieren. Denn positive Kultur und Werte führen immer zu einem wertschätzenden Verhalten. Und aus der Wertschätzung heraus wächst automatisch die Übernahme von sozialer und ökologischer Verantwortung.

Wenn ich als Unternehmer meine Mitarbeiter wertschätze und entsprechend behandle, dann werden sie glücklich und dem Unternehmen gegenüber loyal sein. Dies wiederum führt automatisch zu glücklichen und loyalen Kunden. Und glückliche Menschen – das zeigen Studien aus der Glücksforschung – verhalten sich erheblich verantwortungsvoller gegenüber ihrer Umwelt und anderen Menschen.

 

Wie Unternehmen davon profitieren, soziale Verantwortung zu übernehmen.

 

Sinnstifter
Wie Unternehmen davon profitieren, soziale Verantwortung zu übernehmen
von Jürgen Schöntauf
Campus Verlag (1. Auflage, Oktober 2016)
39,95 Euro
ISBN 9783593505756