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Karrierestrategien für Intros und Extros

Karrierestrategien für Intros und Extros
Intro- und Extrovertierte unterscheiden sich. Und dieser Unterschied ist so wichtig wie die Frage, ob wir männlich oder weiblich sind.

Introvertierte Menschen haben ein grundlegend anderes Mindset als Extrovertierte. Dementsprechend unterschiedlich sollten ihre Karrierestrategien sein. Welche für wen sinnvoll sind, weiß Sylvia Löhken, Expertin für intro- und extrovertierte Kommunikation.

Erfolgreichen Menschen können kommunizieren: Sie machen ihre Leistungen sichtbar, wissen Vertrauen zu gewinnen und nutzen auf kluge Weise Kommunikationskanäle. Doch Intro- und Extrovertierte unterscheiden sich. Sie erreichen ihre Ziele am besten, wenn sie diese auf ihre eigene Art verfolgen. Dabei bedeutet introvertiert „nach innen gewandt“ und extrovertiert „nach außen gewandt“. Dieser Unterschied ist so wichtig wie die Frage, ob wir männlich oder weiblich sind – und lässt sich neurophysiologisch gut nachweisen.

Introvertierte Menschen sind von vielen Eindrücken überwältigt. Sie mögen daher Struktur und Kalkulierbares. Sie denken und planen am liebsten, bevor sie aktiv handeln. Ferner schätzen sie Sicherheit und Berechenbarkeit. Extrovertierte Menschen hingegen mögen unterschiedliche Eindrücke sowie den Wechsel zwischen Kanälen. Sie sind sinnesorientiert und schätzen tatkräftiges Zupacken. Außerdem schätzen sie Belohnungen und reizvolle Ziele. Diese Tendenzen beeinflussen, wie wir mit uns und anderen umgehen.

Karrierestrategien für Intros und Extros

Zeigen Sie Haltung! Beginnen Sie mit einem Blick nach innen. Klären und vertreten Sie, was Sie können, wollen und brauchen. So wirken Sie glaubwürdig – als Intro wie als Extro.

Ergreifen Sie das Wort! Als Intro fällt es Ihnen womöglich schwerer, vor anderen das Wort zu ergreifen. Tun Sie es dosiert trotzdem: indem Sie sich gut vorbereiten und Ihre Anliegen klären. Was Sie in einem Meeting sagen, ist wichtiger als die Zahl Ihrer Beiträge. Nutzen Sie Ihre analytischen Fähigkeiten und zeigen Sie Lösungen. Fragen Sie beispielsweise: „Wie schaffen wir es, schneller zu liefern?“ anstatt zu sagen: „So kann das nicht klappen!“

Als Extro fällt es Ihnen leichter, das Wort zu ergreifen und Ihre Anliegen zu vertreten. Hören Sie anderen zu, verbinden Sie moderierend Standpunkte, bringen Sie Dinge auf den Punkt. So machen Sie Ihr Redevermögen für alle fruchtbar.

Machen Sie Ihre Leistung sichtbar! Als Intro liegt Ihnen Selbst-PR nicht sehr. Nutzen Sie deshalb Begegnungen in kleinem Rahmen: Bieten Sie Vorgesetzten an, Aufgaben zu übernehmen, die Ihre Stärken zeigen. Bilden Sie strategische Allianzen. Führen Sie ein Erfolgstagebuch, damit Sie Ihre Leistungen im richtigen Moment parat haben. Man wird es Ihnen anmerken.

Als Extro fällt Ihnen die Selbstdarstellung leichter. Unter den Entscheidern gibt es allerdings auch Intros, die diese Fähigkeit kritisch sehen. Vermeiden Sie daher also zu viel „heiße Luft“. Zeigen Sie, dass Sie nicht nur reden, sondern auch umsetzen. Würdigen Sie die Leistungen ihrer Kollegen. So gewinnen Sie ganz nebenbei dankbare Verbündete.

Nutzen Sie Ihren Lieblingskanal! Nutzen Sie als Intro die Schriftform: In E-Mails, Konzepten und den sozialen Medien können Sie sich strukturiert und überzeugend ausdrücken. Nehmen Sie den mündlichen Austausch für persönliche Kontaktpflege.

Nutzen Sie als Extro die gesprochene Sprache, die Ihnen meist leichtfällt. Nehmen Sie aber auch hier und da den für Sie oft mühsameren schriftlichen Weg. Denn wer schreibt, bleibt!

Gestalten Sie Kontakte! Meiden als Intro zu viel Stimulation. Gönnen Sie sich Rückzugsmomente und machen Sie Pausen, verwenden Sie Ohrstöpsel, gönnen Sie sich ein Essen allein. Treffen Sie sich in Ruhe mit einer oder zwei Personen – so entstehen andere Gespräche als in einer großen Gruppe.

Genießen Sie als Extro die Energie, die Ihnen Kontakte bringen. Doch Ihre Wirkung liegt in dem, was von Ihnen und Ihren Worten am Ende bleibt. Hören Sie anderen zu – und fragen Sie sich prüfend, was Sie selbst inhaltlich zu bieten haben.

 

Sylvia Loehken

 

Dr. Sylvia Löhken ist Expertin für intro- und extrovertierte Kommunikation. Als leiser Mensch hilft sie anderen Intros bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele. Sie hat eine Vorliebe für das leise Japan, in dem sie drei Jahre in einer leitenden Position tätig war. Ihr aktuelles Buch „Leise Menschen – gutes Leben“ bildet den Abschluss der Bestseller-Trilogie zum Thema Introversion. Voraus gingen die Bände „Leise Menschen – starke Wirkung“ (2012) sowie „Intros und Extros“ (2014) mit Übersetzungen in 20 Sprachen und 500.000 weltweit verkauften Exemplaren.