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Führung auf den Kopf gestellt

Führung auf den Kopf gestellt
Leadership Community im LINC in München.

In vielen Unternehmen herrscht nach wie vor ein konservatives Verständnis von Führung: Führungskräfte sitzen in großen Einzelbüros in der obersten Etage und sind kaum für Ihre Mitarbeiter erreichbar. Transparenz, Vertrauen und Offenheit bleiben dabei oft auf der Strecke.

Diese starren Hierarchien sind nicht mehr zeitgemäß. Innovation ist die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit. Vertrauen und Zusammenarbeit die Basis für innovative Ideen. Wer erfolgreich führen möchte, muss den Finger am Puls der Zeit haben, sichtbar sein und wissen, was die Mitarbeiter benötigen.

Bei Steelcase haben wir das Thema Führung auf den Kopf gestellt, und das im doppelten Sinne: kulturell und räumlich. In unserem neuen Learning + Innovation Center (LINC) in München gibt es keine Chefetage im Elfenbeinturm des obersten Stockwerks mit großen Einzelbüros. Stattdessen suchen sich Führungskräfte jeden Tag aufs Neue den passenden Arbeitsplatz in der „Leadership Community“, in der ersten Etage (von fünf) oder arbeiten bei ihren Teams im LINC.

Die „Leadership Community“ befindet direkt über dem WorkCafé, in dem sich Kollegen aus den unterschiedlichen Abteilungen treffen, um dort zusammenzuarbeiten oder sich auszutauschen. Der Weg in unser WorkCafé, das zum Herzstück unseres LINC geworden ist, führt ganz automatisch über die „Leadership Community“. Unsere Führungskräfte sind dadurch nah am Geschehen, sicht- und greifbar für die Anliegen der Mitarbeiter. Dass diese Nähe Einfluss auf die gesamte Kultur des Unternehmens hat, versteht sich von selbst.

Gelebte Innovation

Wir haben die in Unternehmen vielfach absichtsvoll gestaltete Distanz zwischen den Leadern und dem Rest des Unternehmens aufgehoben. Das Ergebnis: die gelebte Nähe von Leadern und Mitarbeitern schafft eine Atmosphäre, die nicht nur dazu inspiriert voneinander zu lernen, sondern nicht selten auch Entscheidungsprozesse beschleunigt. Jeder hat schon die Erfahrung gemacht, dass es manchmal nur ein kurzes Gespräch braucht, um ein offenes Thema abschließen zu können.

Überhaupt verändert sich die Rolle der Führungskräfte. Entscheidungsprozesse werden mehr und mehr den Teams überlassen, während Führungskräfte vermehrt als Kuratoren agieren und Unternehmenswerte vorleben. Mitarbeiter werden „empowered“ und können anhand ihres Expertenwissens Entscheidungen vorbereiten. Führungskräfte sollen dabei unterstützend zur Seite stehen, den Mitarbeitern aber möglichst viel Freiraum bieten.

Ich selbst verbringe einen großen Teil meines Arbeitstages bei meinem Team. Die stetige Nähe zu meinen Kollegen hat unsere Beziehung intensiviert und zwar nicht sicht- aber immer wahrnehmbare Barrieren abgebaut. Wir profitieren vom spontanen Austausch und dem gegenseitigen Vertrauen. Und auch mit dem Rest des Unternehmens sind wir eng verbunden. Wir sitzen nicht hinter verschlossenen Türen, sondern mitten im offenen Raum. Jeder von uns hat dabei die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, wann immer es nötig ist. Hierfür stehen uns verschiedene Räume zur Verfügung, die die unterschiedlichen Arbeitsweisen optimal unterstützen – sei es für konzentrierte Einzelarbeit, Zusammenarbeit oder kurze Ruhepausen.

Führungskräfte als Vorbild

Führungskräfte können von ihren Mitarbeitern nur verlangen, was sie ihnen selbst vorleben. Wenn Führungskräfte offen sind für Veränderungen und alternative Konzepte, dann werden sich auch die Mitarbeiter dazu ermutigt fühlen. Die Raumgestaltung kann hierbei einen entscheidenden Einfluss haben. Räumliche Nähe erzeugt Vertrauen, was wiederum den Mut zu neuen Ideen und überlegte Risikobereitschaft fördert. Und diese räumliche Veränderung bringt einen starken Veränderungsimpuls, der durch andere Change Management-Aktivitäten wie Trainings und Workshops nicht in gleicher Weise und Geschwindigkeit geschaffen wird.

Christian Westebbe

 

Christian Westebbe ist Director of Finance EMEA North und Mitglied im Vorstand beim Arbeitsraumexperten Steelcase. Bevor er 2015 zu dem Bürospezialisten wechselte, war er für die Unternehmensberatung Roland Berger sowie für die BSH Hausgeräte GmbH in leitender Position tätig.