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„Unsere Partner zu überzeugen, war sehr harte Arbeit“

„Unsere Partner zu überzeugen, war sehr harte Arbeit“
Mit "Hotelbird" möchte Juan Sanmiguel die Hotelbranche revolutionieren.

Als Juan Sanmiguel die Hotelbird GmbH gründet, muss er gegen Windmühlen ankämpfen. Denn obwohl das Unternehmen die mobile Brücke zwischen Gast und Hotel stark vereinfacht, braucht es Überzeugungskraft, die Partner von der App zu überzeugen.

Seit April 2015 entwickeln Juan A. Sanmiguel und Korbinian Hackl innovative Software-Lösungen für die Hotelbranche. Das Ziel: Hoteliers dabei zu unterstützen, zufriedene Gäste und mehr Umsatz zu generieren sowie die Prozesskosten zu senken. Denn Hotelbird digitalisiert den gesamten Kommunikationsprozess zwischen Rezeption und Gästen. Das heißt, Buchung, Check-in, Zimmerschlüssel, Bezahlung und Check-out laufen automatisiert und vereint in einer App.

Die Ratgeber: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Juan A. Sanmiguel: Zunächst einmal bin ich „vorbelastet“. Denn sowohl meine Eltern als auch Großeltern haben bereits ein Hotel betrieben; und mein Schwager führt ebenfalls Hotels in Deutschland und Österreich. Ich bin also mit und in der Hotellerie groß geworden und eng mit ihr verbunden.

Und weil ich bei Hotelaufenthalten das Schlange stehen am Check-in – oft mit einer Menge Gepäck im Schlepptau – überflüssig finde, dachte ich mir, wie viel schöner wäre es, einfach an der Schlange vorbei auf das Zimmer gehen zu können. Die Idee zu Hotelbird war geboren, die Gründung erfolgt im April 2015 mit Korbinian Hackl. Seitdem arbeiten wir an zeit- und kostensparenden Software-Lösungen für Hotels, damit ein unkompliziertes Buchen, der digitale Check-in und Check-out sowie das Bezahlen per App möglich wird.

Die Ratgeber: Gab es zu dem Zeitpunkt ähnliche Konzepte oder war die Idee gänzlich neu?

Sanmiguel: 2015 gab es zwar bereits ähnliche Konzepte, diese waren allerdings nicht bis zu Ende gedacht. So gab es beispielsweise Anbieter für Digital Keys, aber nicht für das mobile Ein- und Auschecken sowie die Bezahlung per Smartphone. Eine „All-in-one“-Lösung für eine digitale „Guest Journey“ fehlte also. Auch gab es Hotelketten wie Starwood und Hilton, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, allerdings nur die Türöffnung mit dem Smartphone eingeführt hatten. Nicht verwunderlich also, dass wir aktuell Anfragen von namenhaften Hotelketten erhalten, die unsere mobilen Services in ihre bestehenden Hotel-Applikationen integriert haben möchten. Denn die Entwicklung von diesen Lösungen ist sehr komplex.

Unser Konzept war zu diesem Zeitpunkt also einmalig. Denn wir konzentrieren uns von Anfang an auf die Schnittstellen zu unseren Partnern – Betreiber von Property Management Systemen (PMS), Central Reservation Systemen (CRS) und Schließsystemhersteller. So können wir den gesamten Prozess digitalisieren. Ein paar der führenden Schließsystemhersteller haben sogar die von uns erdachte Blue Tooth-Lösung „Low Energy“ (kurz BLE) erst auf unser Drängen hin realisiert. Überzeugen konnten wir schließlich, da wir bereits große Hotelketten an Bord hatten, die sich für Hotelbird interessierten.

Die Ratgeber: Wie sieht es mit dem finanziellen Risiko aus?

Sanmiguel: Da wir einige große Hotelketten als Kunden gewinnen konnten, sind wir finanziell abgesichert. Zudem hatten wir zum Start der Gründung eine Seed-Finanzierung von einem unabhängigen Investor, die uns geholfen hat, ein marktreifes Produkt entwickeln zu können. Unser finanzielles Risiko ist deshalb entsprechend niedrig.

Die Ratgeber: Wie finanziert sich das Start-up?

Sanmiguel: Wir befinden uns gerade in der Markteinführungsphase, in der wir wöchentlich neue Hotels mit unserer Technologie ausstatten – und dadurch neue Einnahmen generieren. Ferner stehen bald weitere Gespräche mit neuen Investoren für eine nächste Finanzierungsrunde an.

Die Ratgeber: Was war die größte Hürde?

Sanmiguel: Unsere Partner zu überzeugen, war sehr harte Arbeit. Denn zu Beginn hatten wir nur einen Prototypen in der Hand – und noch keine Kunden. Viele Schließsystemhersteller waren skeptisch, ob die Hoteliers unsere digitalen Lösungen wie den Mobile Key annehmen würden. Wir drehten den Spieß um und gewannen erste große Hotelketten für unsere Idee. Das war einfacher, denn unsere Vision, neue technische Standards in der Hotellerie zu etablieren und das Reiseerlebnis neu zu definieren, reizte unsere Kunden von Anfang an. Zudem gab es handfeste Gründe: Mit Hotelbird sinken die Prozesskosten im Hotel, Direktbuchungen ohne Provision nehmen zu und somit steigt der Gewinn. Mit dieser Unterstützung waren die Schließsystemhersteller dann bereit, in Zusammenarbeit mit uns neue Technologien zu entwickeln.

Eine weitere Hürde ist die Umsetzung unserer Idee in die Praxis: Denn es ist sehr komplex und zeitaufwendig, neue Schnittstellen – beispielsweise zum PMS des Hotels, um Daten durch Hotelbird senden und empfangen zu können – zu entwickeln, und so einen automatisierten Prozess möglich zu machen. Dabei ist wirklich viel Geld, Zeit und Energie draufgegangen.

Die Ratgeber: Was raten Sie anderen Gründern, die kurz vor dem Start in die Selbstständigkeit stehen?

Sanmiguel: Ich rate jedem Gründer, sein Geschäftsmodell frühzeitig zu prüfen. Dies gelingt, indem man rausgeht, das Konzept mit den potenziellen Kunden bespricht – und zwar bevor das Produkt auf den Markt kommt. So ein Feedback ist ungeheuer wichtig, denn wenn man nicht weiß, ob der Markt das neue Produkt überhaupt braucht, kann man nach der Markteinführung eine böse Überraschung erleben, wenn keiner im „realen“ Leben bereit ist für das tolle Produkt zu bezahlen. Ein mit dem Kunden entwickeltes Konzept verspricht ein erfolgreiches Bestehen auf dem Markt und somit langfristigen Unternehmenserfolg.