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Selbstständigkeit als Reißleine

Selbstständigkeit als Reißleine
Die Selbstständigkeit als eine echte berufliche Alternative?

Selbstständigkeit als berufliche Alternative ist für viele Mitarbeiter eine Art gedankliche Reißleine, die den schnellen Abschied von ungeliebten Aspekten des eigenen Berufs verspricht. So zumindest sehen es die Befragten einer aktuellen Umfrage.

Die Mehrheit der Bewerber rechnet vor dem Hintergrund der Digitalisierung mit einem steigenden Anteil der Selbstständigen in Deutschland. Selbstständigkeit als berufliche Alternative ist für die meisten von ihnen dabei eher eine Art gedankliche „Reißleine“, die den schnellen Abschied von ungeliebten Aspekten des eigenen Berufs verspricht, als eine realistische Option. So zumindest sehen es über 2.000 Bewerber, die an einer aktuellen Umfrage der Recruitingplattform softgarden und der HR-Fachzeitschrift Personalmagazin teilgenommen haben.

Trotz einer zunehmend unbeständigen und komplexen Wirtschaftswelt, der zunehmenden Fragwürdigkeit von klassischen Command and Control-Organisationen und der kontinuierlichen Vorhersagen des Anstiegs der Selbstständigenquote durch Zukunftsforscher bleibt der Anteil an Selbstständigen in Deutschland niedrig. Er liegt derzeit bei rund 10 Prozent. Wie blicken Bewerber aktuell auf das Phänomen?

Liebäugeln oder wahrscheinliche Option?

55,8 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Anteil der Selbstständigen in Deutschland steigen wird. Die große Mehrheit derjenigen, die von einem Anstieg überzeugt sind (94,1 Prozent), geben die Digitalisierung und die dadurch entstehenden neuen Arbeitsformen als Grund an. Aber auch der Wertewandel oder die sinkende Bindung im Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern werden als Gründe ausgemacht.

Im Lauf ihres Berufslebens nehmen 81,8 Prozent der Befragten Selbstständigkeit als berufliche Alternative in den Blick. 41,9 Prozent haben sogar schon einmal selbstständig gearbeitet. Allerdings hält es nur eine Minderheit von 36 Prozent für „wahrscheinlich“ oder „sehr wahrscheinlich“, im Lauf des Berufslebens (noch) einmal selbstständig zu sein.

Risiken einer Selbstständigkeit

Als Vorteile der Selbstständigkeit machen die Befragten vor allem den größeren Spielraum aus, die eigenen Ideen zu verwirklichen (77,2 Prozent), die Möglichkeit, in den Genuss des eigenen Arbeitsergebnisses zu kommen (76,6 Prozent) sowie die Freiheit im Arbeiten (69,2 Prozent) sowie die fehlende Gängelung durch Vorgesetzte (69 Prozent). Das „große Geld“ verbinden die meisten dagegen nicht mit Selbstständigkeit. Nur 33 Prozent schreiben Selbstständigen bessere Verdienstmöglichkeiten zu.

Beim Blick auf die Nachteile, die mit der Existenz als Selbstständige(r) verbunden werden, treten vor allem die unklaren Verdienstperspektiven hervor. Das Einkommen von Selbstständigen wird von 88,7 Prozent der Befragten als „unsicher“ wahrgenommen. 60 Prozent sind überzeugt, dass Selbstständige ihre Arbeitszeit nur schlecht eingrenzen können. Hinzu kommen unklare Steuerregeln und -risiken (57 Prozent). Andere Aspekte, die man als Defizite wahrnehmen könnte, wie beispielweise das Fehlen von Führungskräften als Coaches und Vorbilder, fallen mit 37,9 Prozent weniger ins Gewicht.

„Eines Tages mache ich es“

Welche Begriffe werden mit Selbstständigkeit auf der einen und dem Angestelltendasein auf der anderen Seite verbunden? Bei der Selbstständigkeit wurden in dem entsprechenden Freitextfeld am häufigsten „Freiheit“, „Selbst und ständig“ sowie „Verantwortung“ genannt. Für das Angestelltendasein stehen vor allem „Sicherheit“, „Abhängigkeit“ und „Einkommen“.

„Eines Tages mache ich es“, schrieb ein Teilnehmer in einem Kommentar zum Schluss der Umfrage. Selbstständigkeit sei „nichts für Feiglinge“, meinte ein anderer. Viele Teilnehmer gingen in ihren Kommentaren auf die schwierigen sozialversicherungsrechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Selbstständige ein: „Wenn in unserem Land die Hürden nicht so hoch wären, würde es sicher jetzt schon mehr Selbstständige geben.“