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Karriere und Work-Life-Balance – ein Widerspruch?

Karriere und Work-Life-Balance – ein Widerspruch?
Obwohl Mitarbeiter der wichtigste Erfolgsfaktor eines Unternehmens sind, schaffen es nur wenige Firmen, ihren Mitarbeitern eine gesunde und förderliche Arbeitsumgebung zu bieten.

Möchten Unternehmen ihren Führungskräften und Mitarbeitern eine gesunde und förderliche Arbeitsumgebung bieten, müssen nicht nur die Stressquellen des Unternehmens beseitigt werden.

Die emotionale Verbundenheit mit dem Unternehmen gilt als Produktivitätsmotor Nummer eins. Allerdings wissen viele deutsche Unternehmen nicht, wie sie diesen Motor zum Laufen bringen können. Sie wissen nicht, welche Anforderungen ihre Mitarbeiter übermäßig belasten und letztlich in ihrer Produktivität behindern.

Wenn Arbeitgeber nicht wissen, wo in ihrem Unternehmen Stressquellen sind, welche Abläufe für Zeitdruck sorgen, wo eine Unterstützung in Form von Weiterbildung nötig wäre, in welchen Abteilungen sich Frust und Lethargie breit gemacht haben und welche Führungskräfte ihre Mitarbeiter durch ihr Verhalten zusätzlich belasten, steigt der Krankenstand und sinken Zufriedenheit, Motivation und Produktion.

Und obwohl der Mitarbeiter der wichtigste Erfolgsfaktor eines Unternehmens ist, schaffen es nur wenige Firmen, ihren Mitarbeitern eine gesunde und förderliche Arbeitsumgebung zu bieten. Dabei ist es nicht schwierig oder teuer, die Stressquellen im Unternehmen ausfindig zu machen und zu beseitigen.

Unternehmensziel: zufriedene Mitarbeiter

Was Führungskräfte tun können, um das Klima im Unternehmen zu verbessern, (seelische) Krankheiten der Belegschaft zu vermeiden, zeigen folgende Unternehmensbeispiele. Der Süßwarenhersteller Katjes änderte aufgrund einer Mitarbeiterbefragung seinen Schichtplan. Alle Mitarbeiter erhielten daraufhin pro Monat zwei lange Wochenenden (vier Tage am Stück), um ausreichend ausspannen und Zeit mit der Familie verbringen zu können. Diese und einige weitere Änderungen wie kostenlose Getränke oder Hebekräne für schwere Säcke kosteten das Unternehmen lediglich rund 100.000 Euro, führten aber zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und einem Krankenstand, der von sieben auf drei Prozent sank.

Bei Volvo mussten alle Manager Anti-Burnout-Seminare besuchen, in denen sie lernten, Stresssymptome zu erkennen und diesen vorzubeugen. Außerdem lernten sie, eine Balance zwischen Arbeit, Familie und Zeit für sich selbst zu finden. Auslöser: Ende der 1990er-Jahre beklagten sich Volvo-Manager über den zu hohen Druck, zu viel Stress und körperliche Probleme. Das Unternehmen weitete die Aktion auf alle Mitarbeiter aus. Teilnehmen an den Seminaren konnte jeder, der Bedarf hatte. Für Volvo rechnete sich das Engagement. Nach eigenen Angaben verhinderten die Seminare jährlich an die 50 Burnout-Fälle. Eine Rechnung die aufgeht: Fällt beispielsweise ein Manager ein halbes Jahr aus, kostet es das Unternehmen rund 450.000 Euro.

Ohne Führungskräfte funktioniert Gesundheitsmanagement nicht

Einige Unternehmen investieren speziell in die sogenannte Work-Life-Balance. Der Energiekonzern Eon beispielsweise half seinen Mitarbeitern, Beruf, Freizeit und Familie miteinander zu vereinbaren. Um dem individuellen Lebenshintergrund des Einzelnen gerecht zu werden bot das Unternehmen Telearbeit, längeren Auszeiten (Sabbatical) sowie flexible Arbeitszeitmodelle an.

Ohne Führungskräfte funktioniert aber auch das beste Gesundheitsmanagement nicht. Bei der Firma Bosch beispielsweise durchlaufen alle Führungskräfte spezielle Schulungen, die sie dafür sensibilisieren, dass sie die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tragen. Und das Logistikunternehmen Fiege geht noch einen Schritt weiter: Dort fließt das Thema Gesundheit sogar in die Führungskräftebewertung ein – was somit auch die Bonuszahlungen der Führungskräfte tangiert.

Die betriebliche Gesundheitsförderung sollte also immer als Aufgabe des Managements verstanden werden. Auch wenn diese Veränderungen die Unternehmen Geld kosten, sie führen zu zufriedeneren und gesünderen Mitarbeitern – was sich auf Dauer rechnet, wie die Beispiele zeigen.