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„Das Leben ist keine Generalprobe“

„Das Leben ist keine Generalprobe“
Führungskräfte stehen unter hohem Erfolgsdruck: Sie sind Sklave ihres Kalenders, stellen sich die Sinnfrage für den Rest der Karriere und sind oft einfach nur erschöpft.

Wer am Dienstagmorgen nicht weiß, wie er das Wochenende erreichen soll, muss handeln. Wie Führungskräfte ihren Berufsalltag gestalten können, so dass sie Kraft für die Führungsrolle und ein erfülltes Leben haben, weiß Maren Lehky.

Zeitdruck und Stress, die eigene Gesundheit, das Privatleben und schließlich die Erwartungen an sich selbst: Führungskräfte stehen heute mehr denn je unter Druck. Wie sie ihre Energieräuber aufdecken und unschädlich machen können, weiß Maren Lehky.

Die Inhaberin einer Unternehmensberatung für Personalmanagement war viele Jahre als Personalleiterin tätig, zuletzt als Geschäftsleitungsmitglied eines internationalen Industrieunternehmens. Mittlerweile trainiert und coacht Lehky Führungskräfte zu Leadershipthemen.

Die Ratgeber: Frau Lehky, warum sind gerade Führungskräfte oft blind für den Raubbau an ihrem Körper?

Maren Lehky: Die Gründe sind vielfältig und treffen nicht nur auf Führungskräfte, sondern auch auf viele Menschen zu, die viel leisten und es auch noch gerne tun.

Wir haben nicht gelernt, uns um uns zu kümmern. Auch wissen die wenigsten, dass sie eigentlich Hochleistungssport betreiben, zumindest im Gehirn. Und dass dafür etwas investiert werden muss. Ich stelle auch fest, dass die Fähigkeit, sich um sich selbst aktiv zu kümmern, oft an das Selbstwertgefühl gekoppelt ist. Je höher es ist, umso besser sorgt man für sich. Und dann gibt es da noch die Klassiker Zeitmangel und Schweinehund. Keine Zeit für Pausen, keine Lust für Ausgleichssport, die Arbeit hat oberste Priorität und alle Unterbrechungen stören den Fluss. Ausreden gibt es genug.

Ändern tut es sich meistens dann, wenn eine gesundheitliche Krise einen wieder in die Spur bringt. Oft ist sie auch deshalb die erste Chance, etwas zu erkennen, weil Stress noch eine andere Nebenwirkung hat. Er sorgt dafür, dass wir uns selbst nicht mehr so gut wahrnehmen. Bestimmte Hormone stellen sich sozusagen auf das Verbindungskabel zu unserem Gefühl, wie es uns geht. Und so merken wir nicht, dass wir kaputt sind, fühlen die Anspannungen nicht und machen immer weiter. Erst bei der nächsten Entspannungsphase, wie einem Urlaub oder ein langes Wochenende, kommt der Körper mit seinen Signalen durch. Daher werden auch viele in ihren Ferien krank.

Die Ratgeber: Warum tun Führungskräfte sich das an?

Lehky: Einerseits, weil sie es nicht anders kennen, weil sie in der Mühle drin sind, weil es allen so geht und man sich in bester Gesellschaft befindet. Andererseits, weil sie es erst merken, wenn der Körper einen Tribut fordert. Sie kämpfen die Symptome dann erstmal so lange nieder wie es geht.

Manchmal ist es auch einfacher, mit dem gewohnten Muster weiterzumachen, als wirklich sein Leben zu ändern. Denn dieser Schritt ist eine große Anstrengung. Und für die hat man selten Kraft, denn die steckt ja schon im Job. Ein Teufelskreis.

Die Ratgeber: Wie können Führungskräfte ihren Berufsalltag so gestalten, dass neue Kraft für die Führungsrolle entsteht?

Lehky: Mit einem realistischen und schnell umsetzbaren 5-Punkteplan.

Dazu gehören Pausen. Es können kurze Momente sein, die aber sollten bewusst zur Entspannung genutzt werden. Atmen, sich bewegen, einmal schnell durchs Treppenhaus flitzen oder sitzen und die Augen schließen und tief in den Bauch atmen. Ein paar Minuten sind schon gut. Mindestens die Mittagspause sollte bewusst genutzt werden. Idealerweise sitzt man dazu nicht am Rechner oder am Smartphone, sondern unterhält sich entspannend mit netten Kollegen oder genießt allein den Moment der Ruhe.

Ebenfalls wichtig ist ein Ausgleich, der Freude bereitet. Wann immer möglich, sollte der Akku mit einer Freudenquelle aufgeladen werden. Das heißt, jeder sollte für sich ausreichend Zeit einräumen, sich im Privatleben entlasten und einen gesunden Egoismus entwickeln, damit der Stress nicht nach Feierabend weitergeht.

Auch sollte man seine E-Mails nicht ständig im Blick haben, sondern bewusst Zeiten einführen, in denen man offline arbeitet. Eine Möglichkeit ist beispielsweise, nur drei Mal am Tag sein Postfach zu checken und dann gesammelt Nachrichten beantworten. Dazwischen sollte die Zeit für Arbeiten, die man konzentriert erledigen muss, genutzt werden.

Ein gut funktionierendes Zeitmanagement ist dabei eine große Hilfe. Meetings zum Beispiel sind der größte Zeitfresser. Gerade Führungskräfte haben die Möglichkeit, das zu ändern, indem sie die entsprechend gut vorbereiten, sich kurz fassen sowie einen Moderator bestimmen, der das Zeitmanagement und die Pünktlichkeit im Blick hat. Sind alle darauf fokussiert, spielt niemand an seinem technischen Equipment herum, sondern kommt am Schluss zu einem konkreten Ergebnis. Das ist wohl gemerkt der Minimalstandard – den ich allerdings ihn viel zu selten sehe.

Zu guter Letzt sollte jedem bewusst sein, dass der Körper und das Gehirn gut versorgt sein müssen, damit sie überhaupt zur Hochleistung fähig sind. Deshalb sind in Meetings auch Obst und Nüsse besser als Kekse und Gummibärchen und mehr stilles Wasser und weniger Kaffee sinnvoller. Und Alkohol sollte grundsätzlich verzichtet werden, denn der belastet das ganze System erheblich.

Das alles wäre schon mal ein Anfang und kostet nicht mehr als Disziplin und kleine Umstellungen. Der Lohn dafür lohnt sich aber, denn man hat so viel mehr Energie. Und vergessen sollte man auch nicht, dass das Leben keine Generalprobe ist, wir haben nur diesen einen Versuch.

Mehr zum Thema:

Strategien für mehr Lebenskraft in der Führungsrolle.

 

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von Maren Lehky
Campus Verlag (2. Auflage, September 2016)
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ISBN 9783593505688