» » Burnout: So hilft der Hausarzt

Burnout: So hilft der Hausarzt

Burnout: So hilft der Hausarzt
Ab einem gewissen Stadium lässt sich ein Burnout nicht „mal eben so“ heilen.

Ab einem gewissen Stadium ist bei einem Burnout professionelle Hilfe unumgänglich. Für Allgemeinmediziner ist es jedoch nicht einfach, ein Burnout-Syndrom von anderen Krankheiten zu unterscheiden. Was tun?

Wer in einem Burnout steckt, benötigt ab einem gewissen Stadium der Krankheit professionelle Hilfe. In der Anfangsphase sind die physischen und psychischen Folgen eines Burnouts meist nicht so gravierend. Kleinere Veränderungen wie ausgedehnte Erholungen oder gezielte Maßnahmen wie ein Arbeitsplatzwechsel reichen dann meist aus, um die Symptome zu behandeln.

Die meisten Burnout-Betroffenen unterschätzen zunächst den Ernst der Lage, selbst wenn sie bereits festgestellt haben, dass ihre Leistungsfähigkeit stark zurückgegangen ist. Einige versuchen sogar, ihre fehlende Kraft durch Mehrarbeit wettzumachen, was zwangsläufig fehlschlagen muss.

Andere glauben, die Beschwerden würden schon wieder vergehen und ein Urlaub oder ein Entspannungskurs könne sie schnell wieder fit machen. Doch leider lässt sich ein Burnout ab einem gewissen Stadium nicht „mal eben so“ heilen – und vor allem auch nicht schnell.

Nicht den Gang zum Arzt hinauszuzögern

Für Allgemeinmediziner ist es nicht einfach, ein Burnout-Syndrom von anderen Krankheiten zu unterscheiden. Überschneidungen mit Persönlichkeitsstörungen, Depressionen oder Angsterkrankungen machen eine gezielte Diagnose schwierig. Ferner beinhaltet die Definition Burnout über 100 mögliche Symptome. Psychosomatische Beschwerden, wie etwa Schlafstörungen, Herzprobleme oder Tinnitus, treten auch bei anderen Krankheiten auf.

Viele Menschen scheuen sich, ihren Hausarzt aufzusuchen, um ihm zu sagen: Ich kann nicht mehr! Vielleicht weil sie befürchten, ihre Probleme seien es nicht wert, einen Arzt damit zu belästigen. Oder weil sie nicht davon ausgehen, Hilfe von ihm zu bekommen. Bei einem Burnout ist es jedoch nicht ratsam, den Gang zum Arzt hinauszuzögern.

Andere Krankheiten ausschließen

Die Diagnose „Burnout-Syndrom“ verlangt viel Fingerspitzengefühl und Sorgfalt vom behandelnden Arzt. Während des ersten Gesprächs mit dem Hausarzt muss erst einmal ausgeschlossen werden, dass der Betroffene noch an anderen Krankheiten leidet, die seine Leistungsfähigkeit einschränken. Das könnte zum Beispiel eine Unterversorgung des Gehirns mit Nährstoffen und Sauerstoff sein, hervorgerufen durch einen zu niedrigen Blutdruck oder Zuckerspiegel. Ursache könnte auch eine Unterversorgung mit den Schilddrüsenhormonen Thyroxin und Triiodthyronin sein, die den Stoffwechsel antreiben.

Schlecht auskurierte Infektionskrankheiten können den Körper ebenfalls auf Jahre schwächen. Hepatitis und Tuberkulose, aber auch manche Allergien führen zu chronischer Müdigkeit. Mithilfe von Laboruntersuchungen, die die Funktionsfähigkeit von Bauchspeicheldrüse, Leber, Niere und Darm prüfen und mögliche Allergien erkennbar machen, können andere Ursachen des vorliegenden Erschöpfungszustands ausgeschlossen werden.

Auch die Lebensumstände sollten analysiert werden: Ist die Wohnung des Patienten möglicherweise mit versteckten Giften belastet oder kommt er am Arbeitsplatz mit giftigen Substanzen in Berührung? Darüber hinaus sollten auch die Essgewohnheiten des Patienten von Interesse sein. Eine lange Fehlernährung führt zu einem Mangel an Vitaminen und Spurenelementen, unter dem das Immunsystem leidet.

Über Job und Belastungen sprechen

So wenig wie das Krankheitsbild des Burnout-Syndroms einheitlich beschrieben werden kann, so wenig gibt es eine allgemeingültige Behandlungsmethode. Grundsätzlich brauchen Burnout-Betroffene am Anfang eine gründliche ärztliche Untersuchung. Ebenso gilt, dass zunächst vorhandene Infektionen oder andere Krankheiten behandelt werden sollten. Nur so kann das Immunsystem sich von dieser Dauerbelastung erholen.

Wenn Betroffene über Verspannungen, Kreislaufbeschwerden, Stimmungsschwankungen usw. klagen, behandeln Ärzte meist genau diese Symptome. Sie haben heute kaum noch die Zeit und das Verständnis, den gesamten Kontext des Menschen zu erfragen: Wo könnte die eigentliche Ursache für die Beschwerden liegen?

In manchen Fällen würde es sogar genügen, wenn der Patient einfach nur die Gelegenheit bekommen würde, über seinen Job und die Belastungen zu sprechen. Leider sind selbst Betriebsärzte oft nicht dazu ausgebildet, diese Symptome zu erkennen.