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Boreout: Wie mit Betroffenen umgehen?

Boreout: Wie mit Betroffenen umgehen?
Wer unter einem Boreout leidet, hat zu viel Zeit für zu wenig Arbeit.

Boreout hat nichts mit Faulheit zu tun. Daher sollte man Betroffene auf keinen Fall verurteilen. Und weil das Boreout des einen zum Burnout des anderen führen kann, muss gehandelt werden.

Das Boreout-Syndrom führt zu Müdigkeit, Gereiztheit und Lustlosigkeit – ähnliche Symptome wie beim Burnout. Der Unterschied zwischen einem Burnout und einem Boreout ist: Wer unter einem Boreout leidet, hat zu viel Zeit für zu wenig Arbeit und bemüht sich krampfhaft, diesen Umstand vor anderen zu verbergen.

Burnout ↔ Boreout
Überforderung ↔ Unterforderung
wenig Zeit ↔ viel Zeit
nicht mehr können ↔ micht mehr wollen
Stress ↔ Langeweile
Aufopferung ↔ Lethargie

Den Grundstein für ein Boreout legen viele schon, indem sie sich für das falsche Studienfach entscheiden oder eine Ausbildung wählen, die vielleicht den Wünschen der Eltern entspricht, nicht aber den eigenen Neigungen.

Boreout ist ein Phänomen der Dienstleistungsgesellschaft

Es gibt Berufe, in denen das Risiko eines Boreouts besonders hoch ist. Zu dieser Gruppe gehören Jobs im administrativen Bereich, in denen man viel am Schreibtisch sitzt und Aufgaben abarbeitet, die nicht sofort fertig werden müssen. Bei diesen Tätigkeiten mangelt es oft an vielem, was Arbeit interessant macht: Vielfalt, Bedeutung, Eigenverantwortung, direkte Rückmeldung. Das kann zu Unterforderungsstress führen. Die Folgen unterscheiden sich kaum von der klassischen Überforderungssituation: Die Betroffenen melden sich häufiger krank, neigen zum Alkoholmissbrauch und leiden unter einem angekratzten Selbstwertgefühl. Schnell kommt es zur inneren Kündigung.

Boreout ist ein Phänomen der Dienstleistungsgesellschaft. Schließlich kann ein Fliesenleger schlecht so tun, als ob er Fliesen legt, Kunden und Chef können sehen, was er leistet – oder auch nicht. Bei Büromenschen ist das schwieriger, da ist die Arbeit nicht immer unmittelbar messbar.

Widerwillen gegen den eigenen Job

Hinzukommt ein spezielles Problem der Arbeitskultur in Deutschland. Es wird den Mitarbeitern zu wenig zugetraut und zu viel vorgeschrieben, auch gut ausgebildeten Leuten. Wer aber seine Arbeit nicht mitgestalten kann oder nur uninteressante Projekte abzuarbeiten hat, entwickelt über kurz oder lang einen Widerwillen gegen seinen Job. Auch schaffen es Führungskräfte häufig nicht, Arbeit abzugeben, Teilaufgaben zu delegieren. Mit der gar nicht so seltenen Folge, dass der Chef „ausbrennt“, während sich sein Team „auslangweilt“. Wie also mit Boreout-Kollegen umgehen?

Ein Kollege spricht offen über sein Boreout. Wie geht man damit um?
Hier sollte man einfühlsam reagieren und nicht vergessen, dass ein Boreout nichts mit Faulheit zu tun hat. Auf keinen Fall sollten Betroffene deswegen verurteilt werden. Stattdessen sollte man lieber den betroffenen Kollegen dazu ermuntern, nach Lösungen für sein Problem zu suchen. Natürlich kann man dem Kollegen auch seine Hilfe anbieten. Doch man sollte vorsichtig sein, damit man nicht zum Ersatz-Therapeuten mutiert.

Sollte ich einen Kollegen, der sich offensichtlich langweilt, darauf ansprechen?
Das geht nur, wenn man diese Person sehr gut kennt und ein Vertrauensverhältnis besteht. Andernfalls wird man vermutlich nur erreichen, den anderen zu beschämen. Zudem wird er sich bemühen, das Boreout in Zukunft besser zu verbergen, und damit ist keinem geholfen. Ist der Kontakt zu dem betroffenen Kollegen nicht sehr vertraut, wird es schwieriger. Eine Möglichkeit wäre, mit dem Betroffenen in einer gemeinsamen (Mittags)Pause allgemein über die Arbeitssituation zu sprechen und behutsam das Thema anzugehen. Wenn er dann nicht von sich aus signalisiert, dass es ein Problem gibt, sollten Sie aber nicht insistieren.

Wie soll man reagieren, wenn man durch das Boreout eines Kollegen mehr arbeiten muss?
Experten wissen: Das Boreout des einen kann auch zum Burnout des anderen führen. Hier ist es notwendig, selbst Grenzen zu setzen, Nein zu sagen und den Kollegen auf seine Zuständigkeiten hinzuweisen, bevor die eigenen Kraftreserven zur Neige gehen und man ausbrennt.

Eine unausgelastete Kollegin kommt ständig zum Quatschen vorbei. Wie kann man sie bremsen?
Wenn man diese Kollegin mag, sollte man sie auf die Mittagspause oder den Feierabend vertrösten. Ansonsten reicht der Satz: „Tut mir leid, aber ich habe gerade leider keine Zeit zum Plaudern.“