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Wie finde ich heraus, welcher Stresstyp ich bin?

Wie finde ich heraus, welcher Stresstyp ich bin?
Wer nicht rechtzeitig die Notbremse zieht, gefährdet sich und sein Umfeld.

Stress gehört zu unserem Leben dazu – und kann bisweilen sogar unsere Leistungsfähigkeit erhöhen. Wann aber macht Stress krank?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Stress als eine der größten Gefahren für das menschliche Wohlergehen im 21. Jahrhundert ein. Er gilt demnach als Krankmacher Nummer eins. Laut einer Studie leidet fast jeder vierte Beschäftigte in der Europäischen Union unter jobbedingtem Stress. Die Folge: 60 Prozent aller versäumten Arbeitstage sind auf Stress zurückzuführen.

Dabei leiden Männer und Frauen unterschiedlich. Männer quälen besonders die ungenügende Beförderung und die unqualifizierten Tätigkeiten. Ausgelöst durch Konkurrenzverhalten, Zeitdruck und Karrierestreben. Ursachen sind dabei ein geringer Handlungs- und Entscheidungsspielraum, die Monotonie sowie der Termin- und Leistungsdruck.

Frauen finden alles stressig, was die Harmonie stört

Bei Frauen ist die Doppelbelastung durch Familie und Beruf meist Ursache für ihren Stress. Auslöser sind oft Diskussionen bei unterschiedlicher Auffassung oder Konflikte. Im Grunde finden Frauen alles stressig, was die Harmonie stört und als Bedrohung empfunden wird. Auch neigen sie dazu, sich bei beruflichen und privaten Missgeschicken alle Schuld zu geben und mit sich zu hadern.

Und auch die Bewältigungsversuche von Männern und Frauen sind unterschiedlich. So sind Männer weniger als Frauen in der Lage, sich soziale Unterstützung zu holen. Sie versuchen Stress eher durch riskante Verhaltensweisen wie exzessiven Konsum von Alkohol, aggressiven Strategien oder durch Leugnen zu bewältigen. Frauen hingegen werden oft passiv, resignieren ängstlich und ziehen sich zurück.

Stress ist nur individuell verstehbar und veränderbar

Wer nicht rechtzeitig die Notbremse zieht, gefährdet seine Gesundheit, denn Dauerstress kann schnell zum Burnout führen. „Je gesünder und früher man mit der Stressbewältigung beginnt, desto einfacher und effektiver sind die Bewältigungsmaßnahmen zu lernen“, so Prof. Dr. Kurt Hahlweg vom Institut für Psychologie an der TU Braunschweig. Stress ist jedoch nur individuell verstehbar und veränderbar.

Deshalb ist es wichtig, sein eigenes Verhalten zu analysieren, um so gezielt neue Handlungsmuster entwickeln zu können. Die von der Amerikanerin Roberta Lee, Fachärztin für Innere und Integrative Medizin, aufgestellten Stresstypen helfen dabei, sich einzuordnen und einen Weg aus der persönlichen Stressfalle zu finden:

Der Ausgebrannte

Bei dem Ausgebrannten sind bereits nach dem Aufwachen die Akkus leer. Er fühlt sich erschöpft, zerschlagen und todmüde. Und dieser Zustand hält den ganzen Tag an, jeden Tag. Der Weg ins Büro ist stets ein Kraftakt. Und in Meetings muss er sich krampfhaft bemühen, seine Gedanken nicht abschweifen zu lassen. Der Stress hat den Ausgepowerte schon so lange fest im Griff, dass er einen Punkt erreicht hat, an dem er kaum noch eine Reaktion zustande bringt.

Anti-Stress-Strategie:
Um herauszufinden, wo während des Arbeitstages Störquellen und Zeitfresser lauern, sollte der Ausgebrannte seinen Tagesablauf protokollieren – und dringend einen Teil dieser Störfaktoren vermeiden oder delegieren! Außerdem sollte er bewusst Erholungsphasen in seinen Tagesablauf einbauen. Und er sollte Nein sagen, denn wenn der Ausgebrannte anderen keine Grenzen setzt, überschreitet er seine eigenen sehr schnell. Nicht umsonst gibt es die Redewendung „Jede Gefälligkeit rächt sich“.

Der Ruhelose

Der Ruhelose ist unkonzentriert, aggressiv und reizbar bis hin zum Jähzorn. An einigen Tagen stellt bereits eine einfache „To-do-Liste“ sich für ihn als ein unüberwindbarer Berg dar. Arg wird es für ihn, wenn seine eigene Rastlosigkeit ihn von seinen Aufgaben ablenkt. Muss er beispielsweise Unterlagen immer wieder lesen, neigt er zu Wutausbrüchen. Der Ruhelose ist vom Leben überfordert, was letztlich häufig zu Schlafstörungen führt.

Anti-Stress-Strategie:
Weil er nervös und überfordert ist, muss der Rastlose sich ausreichend Ruhe gönnen. Mindestens drei Mal am Tag sollte dieser Stresstyp dafür die Arbeit ruhen lassen. Denn diese Zeit lenkt zum einen ab, zum anderen hilft sie, die innere Uhr neu zu stellen.

Der Hypersensible

Ob Streit im Büro oder Kritik an der Arbeit, viele Menschen reagieren darauf empfindlich. Der Hypersensible jedoch nimmt sich alles übertrieben zu Herzen. Er fühlt sich vom Leben im Allgemeinen und von Menschen im Besonderen emotional zutiefst getroffen. Dieser Stresstyp hat jeden Humor verloren, neigt zu Weinerlichkeit oder Schwermut. Auch leiden diese Menschen unter Situationen, die andere wenig tangieren. Muss er beispielsweise etwas überarbeiten, fühlt er sich gleich als Niete. Außerdem lebt er in ständiger Sorge, dass irgendetwas schief läuft, was ihm im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen schlägt.

Anti-Stress-Strategie:
Eine effektive Maßnahme sind positive Selbstbekräftigungen: Dazu notiert sich der Hypersensible alle Aspekte, auf die er stolz ist. Um sich alle seine Stärken bewusst vor Augen zu führen, sollte er anschließend diese Liste auf ein Band sprechen. Hört er sich dieses Band täglich in Ruhe an, verbessert sich ihr Selbstbild allmählich.

Der Verbissene

Der Verbissene ist besessen von seinem Job. Er setzt sich ein Ziel und verfolgt dieses dann verbissen mit Perfektionismus und Volldampf – bis er es erreicht. Leider leiden darunter auch andere, denn er reitet übertrieben auf Details herum, mischt sich in alles ein und kann nichts delegieren.

Gerade Vorgesetzte neigen häufig dazu, sich um jeden Vorgang selbst zu kümmern und Mitarbeiter zu gängeln. Dabei geraten sie mit ihrer Arbeit immer mehr in Rückstand, was zu einem enormen Stresspegel führt.

Nicht selten ist der Verbissene der Liebling des Chefs, denn er arbeitet gewissenhaft und zuverlässig. Außerdem neigt er dazu, Lebensbereiche, die für das seelische Gleichgewicht bedeutsam sind, zu vernachlässigen. So liegen die sozialen Beziehungen brach und schläft der Kontakt zu Freunden und Familie nach und nach ein.

Anti-Stress-Strategie:
Da der Verbissene häufig seine Wut unterdrückt, muss er dringend etwas gegen seine Verspannung tun. Um Dampf abzulassen ist deshalb täglich mindestens eine halbe Stunde Sport mit ordentlich Tempo angebracht. Achten muss er aber auch auf seine Schlafgewohnheiten. Ratsam ist daher, mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen den Fernseher auszuschalten.

Der Cholerische

Der Cholerische setzt sich bei der Aufgabenerledigung zeitlich sehr enge Grenzen. Wird der Druck dann zu stark, regt er sich über alles und jeden übermäßig auf. Schuld haben bei ihm generell immer die anderen. Dieser Superstress führt bei ihm zu einem extrem aggressivem Verhalten und einer mangelnden Belastbarkeit. Und sein sehr kurzer Geduldsfaden ist dabei nicht hilfreich. Auch versucht er mit allen Mitteln, alle um ihn herum zu Höchstgeschwindigkeit anzutreiben – und kennt dabei keine Fehlertoleranz. Geschehen doch Fehler, geht er hoch wie eine Rakete. Sein Anti-Stress-Mantra sollte lauten: Alles in Ruhe angehen!

Anti-Stress-Strategie:
Der Cholerische muss dringend seine Wut in den Griff bekommen und seine Zwanghaftigkeit loswerden. Dabei hilft ihm jede Art von sportlicher Betätigung. Denn für seine aufgestauten Gefühle braucht er dringend ein Ventil. Studien zeigen, dass drei Mal pro Woche Ausdauersport (z.B. Laufen oder Radfahren) die Stresshormone dauerhaft niedrig hält. Dabei ist nicht wichtig, dass er sich lange und intensiv betätigt, sondern dass er am besten täglich aktiv ist.

Ausreichend Ruhe darf der Choleriker aber auch nicht vernachlässigen. Förderlich ist das tägliche Meditieren vor der Arbeit, denn dieses Sammeln wirkt wie ein natürliches Beruhigungsmittel.