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Was gibt Kraft?

Was gibt Kraft?
Viele Menschen befinden sich im Hamsterrad-Modus, funktionieren nur noch für den Job und Alltag und vergessen dabei völlig, das Leben zu genießen.

Mehr Freude am Job, mehr Seelenruhe im täglichen Leben, abends nach Hause kommen und noch Energie haben für den Rest des Tages und des Lebens. Wie das geht, zeigt die Bestseller-Autorin Angelika Gulder.

In jedem Job – ob er nun die Berufung oder nur ganz okay ist – gibt es Aufgaben, die einem Menschen gut tun, und solche, die ihn Kraft kosten. Egal, ob sie nur ab und zu, vielleicht sogar nur einmal im Jahr oder auch regelmäßig getan werden (müssen).

„Tu, was Du liebst, und Du musst nie wieder arbeiten“, heißt es. Das aber ist romantischer Unsinn. In jedem Beruf, in jedem Job und eben auch in der Berufung, gibt es Tätigkeiten, die man nicht so gerne macht. Und Zeiten, die nicht so leicht sind und sich dadurch wie Arbeit anfühlen. Das ist vollkommen normal. Phasen, in denen es nicht gut läuft oder in denen Zweifel aufkommen, gehören zum Leben einfach dazu.

Unliebsame Aufgaben aufspüren

Um herauszufinden, welche Tätigkeiten oder Situationen Ihnen in Ihrem aktuellen Job gut tun und welche Sie Kraft kosten, braucht es im ersten Schritt ein bisschen Fleißarbeit. Und ja, ich weiß, wer sowieso schon zu viel zu tun hat, sträubt sich dagegen. Aber ich versichere Ihnen, der Aufwand lohnt sich. Am Ende können Sie nämlich sehr genau unterscheiden, wovon Sie am besten noch mehr machen und was Sie auf jeden Fall verändern sollten.

Um einen Überblick zu bekommen, schreiben Sie sich als erstes auf, was Sie an jedem Tag in der Woche von morgens bis abends in Ihrem aktuellen Job machen. Gehen Sie alles durch, was Sie tun und schreiben es auf.

Für Montag zum Beispiel:

  • E-Mails checken
  • Die wichtigsten E-Mails gleich bearbeiten
  • Meeting
  • Kurze Kaffeepause
  • Telefontermin mit Kunden
  • Ablage
  • Mittagspause mit Kollegin
  • Aufgaben aus Projekt X bearbeiten
  • Abstimmung mit Kollegen
  • Kaffee im Stehen
  • Die restlichen E-Mails bearbeiten
  • Telefonate
  • Feierabend

Das machen Sie für die gesamte Woche (wobei Sie die Dinge, die sich wiederholen, nicht noch einmal aufschreiben müssen). Es kann helfen, wenn Sie dazu den Tages-, Wochen- und Monatskalender zu Hilfe nehmen. Sie nutzen doch einen Kalender für Ihr Zeitmanagement, oder? Und falls Sie am Wochenende manchmal Arbeit mit nach Hause nehmen, schreiben Sie das auch noch mit dazu. Denken Sie auch an die Dinge, die nur ab und an vorkommen, wie zum Beispiel die Teilnahme an einem Event oder eine Dienstreise, Fortbildungen oder Gespräche mit dem Chef oder Mitarbeitern.
Jetzt markieren Sie alles, was Sie von diesen Dingen gerne tun oder was sogar richtig Spaß macht.

Gute Gefühle gibt es gratis dazu

„Go with the flow“ bedeutet frei übersetzt: Fließe mit dem Strom. Doch viele Menschen tun in ihrem Leben genau das Gegenteil. Sie kämpfen gegen die Strömung an (im Kontext Job heißt das, sie tun, was ihnen nicht gut tut) und erschöpfen sich damit jeden Tag mehr. Wer ein seelenruhiges Leben haben möchte, tut gut daran, die Richtung seines persönlichen Lebensstroms dabei zu beachten und sich Tag für Tag entspannt diesem Strom hinzugeben. Das bedeutet nicht, dass man nicht auch mal hart arbeiten muss, aber es heißt, dass man liebt, was man tut. Und außerdem: In dem, was Sie mit Begeisterung tun, werden Sie schnell immer besser. Gute Gefühle gibt es also noch gratis dazu.

Die Glücksforschung zeigt, dass es okay ist, ab und zu Dinge zu tun, die wir weniger gut finden, die uns stressen oder die wir ablehnen. Solange wir nur regelmäßig drei Mal mehr von den Dingen tun, die uns glücklich machen, die uns Spaß machen und die wir mit Begeisterung tun.

Weniger vom weniger Guten

Was bedeutet das jetzt für Sie? Die Dinge, die Ihnen Spaß machen, die machen Sie natürlich unbedingt weiter. Möchten Sie mehr davon? Dann fragen Sie sich: Wie kann ich in meinem Job noch mehr von X tun? Vielleicht hilft ein Gespräch mit Ihrem Chef. Oder Sie können sich mit einer Kollegin absprechen, der Sie etwas abnehmen und die dafür etwas für Sie übernimmt, was Sie nicht so gern mögen.

Gehen Sie Ihre Liste jetzt noch mal durch und markieren die Dinge, die Sie im Job tun, die Ihnen aber keinen Spaß machen oder die Sie sogar wirklich richtig schrecklich finden. Das kann die monatliche Umsatzsteuer sein, das Protokoll jeden Dienstag auf dem Meeting, die halbjährliche Geschäftsreise ins Ausland oder der tägliche Abstimmungsanruf im Controlling.

Als nächstes ordnen Sie diese Tätigkeiten auf einer Skala von eins bis zehn ein – eins ist „absolut furchtbar“ und zehn „fantastisch“ (wobei letzteres bei den Dingen, die Sie nicht gerne tun, natürlich unwahrscheinlich ist). Je niedriger der Punktwert auf der Skala, desto energieraubender ist diese Tätigkeit für Sie und desto eher sollten Sie hier etwas ändern.

Diesmal fragen Sie sich:

  • Wie kann ich in meinem Job weniger von X tun?
  • An wen könnte ich das delegieren?
  • Mit wem könnte ich reden, um etwas an der Tätigkeit zu verändern?

Auch dabei hilft möglicherweise das Gespräch mit dem Chef oder ein Arrangement mit einem Kollegen.
Falls Sie sehr viele Dinge markiert haben, die Teil Ihres Jobs sind, die Sie aber extrem ungern tun, stellt sich die Frage, ob Sie dort wirklich richtig sind. Auch wenn Sie Ihre Berufung leben, gibt es Tätigkeiten oder Tage, die nicht so wundervoll sind oder auf die Sie keine Lust haben. Aber die Summe aller Jobbestandteile stimmt.

Wenn Sie aber auf Dauer (viele) Dinge tun, die nicht zu Ihnen passen, kostet Sie das nach einer Weile sehr viel Lebenskraft. Und es nimmt Ihnen Lebensfreude und Glück.

Darum, Ihnen selbst zuliebe: Tun Sie mehr vom Guten und weniger vom Rest.

 

Angelika Gulder

 

Angelika Gulder ist Psychologin, Coach und Berufungsfinderin. Ihr Bestseller Finde den Job, der Dich glücklich macht wurde von Stiftung Warentest mit „Uneingeschränkt empfehlenswert“ als Testsieger ausgezeichnet. In ihrem aktuellen Buch Seelenruhig bietet Gulder 21 Inspirationen für mehr Lebensfreude.