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Querdenker – gute oder schlechte Mitarbeiter?

Querdenker – gute oder schlechte Mitarbeiter?
Unternehmen können auf vielfältige Weise von Querdenkern und Charakterköpfen profitieren.

Unternehmen finden immer schlechter gute Fachleute, haben aber von diesen eine sehr genaue Vorstellung. Sie sollen nicht nur passen, sondern vor allem keine Quer- oder Charakterköpfe sein. Ein großer Fehler!

Auch wenn Unternehmen immer mehr Probleme haben, gute Fachleute zu finden, haben sie doch von diesen eine sehr genaue Vorstellung. Sie sollen zur Unternehmenskultur passen, möglichst jahrelange Erfahrung im jeweiligen Fachgebiet mitbringen und keine Scherereien machen.

Stellt sich ein Kandidat vor, der zwar hochqualifiziert ist, aber in Auftreten, Lebenslauf oder allgemeiner Lebensanschauung nicht ins vorgegebene Raster passt, machen viele Unternehmen dicht. Denn wenn sie eines nicht wollen, dann Quer- oder Charakterköpfe.

Heiner Fischer, Headhunter und Geschäftsführer der auf Executive Search spezialisierte Personalberatung Herbold Fiscer Associates, sieht hier einen großen Fehler. „Querdenker oder Charakterköpfe haben zwar auf den ersten Blick nicht das Profil, das als Voraussetzung festgelegt wurde. Sie haben oftmals einen bewegten, nicht lückenlosen Lebenslauf, verfügen nicht über die gewünschte Branchenerfahrung und sind vor allem nicht aalglatt, sondern haben Ecken und Kanten“, so Fischer. Denn auch wenn diese Eigenschaften zunächst ein Ausschlusskriterium sind, können Unternehmen doch auf vielfältige Weise davon profitieren.

Vorteil 1: Frische Köpfe – frische Ideen

Eine Branche tickt fasst immer gleich. Wer lange genug dazugehört hat, entwickelt recht schnell eine „Betriebsblindheit“ und agiert in einem festgesteckten Rahmen. Ist auch der neue Kollege bereits seit Jahren in derselben Branche tätig und in ihrer Kultur zuhause, bringt er eher ein abgestandenes Lüftchen als frischen Wind mit ins Unternehmen. Neue Ideen – eher Fehlanzeige! „Querdenker oder Charakterköpfe bringen hingegen neue Erfahrungen und Ideen mit“, so Fischer. „Sie agieren als kreative Zerstörer und inspirieren im Idealfall auch die ‚alten‘ Kollegen und lösen so neue Denkweisen aus.“

Vorteil 2: Querdenker sind unvoreingenommen

Querdenker sind darin geübt, mit festgefahrenen Strukturen und Besonderheiten einer Branche umzugehen: Sie ignorieren diese einfach und gehen völlig unvoreingenommen an den neuen Job heran. Vorhandene Schwächen versuchen sie zu beseitigen oder zu umgehen, anstatt sie als gegeben hinzunehmen. Sie entwickeln neue Strategien und Herangehensweisen. „Dadurch kann das Unternehmen neue Lösungen für alte Probleme entwickeln und sich von der Konkurrenz abheben“, ist Fischer überzeugt.

Vorteil 3: Alte Seilschaften aufbrechen

Langjährige Kollegen, direkte Mitbewerber, Kunden oder Lieferanten – ist die Branche klein, kennt man sich gut. Das bedeutet, keiner will dem anderen wirklich auf die Füße treten. Dies hat nicht nur positive Auswirkungen. In einzelnen Branchen entstehen gar Seilschaften unter Geschäftspartnern oder Konkurrenten, wodurch die persönlichen Vorteile einzelner Teilnehmer mehr Bedeutung gewinnen als der Unternehmenserfolg. Die Geschäftsführung erfährt davon meist nichts, das Unternehmen tritt auf der Stelle. Ein Querdenker, der nicht über diese Bekanntschaften verfügt (oder verfügen will), bricht diese Seilschaften auf. „Seine Loyalität gilt dem Unternehmen, nicht einzelnen Personen“, betont Fischer. Und auch die Kollegen profitieren: Oftmals werden die alten Hasen dadurch wieder angespornt und es entsteht eine ganz neue Teamdynamik.

Vorteil 4: Querdenker sind projektorientiert

Die Zeiten sind vorbei, in denen ein Mitarbeiter eine bestimmte Funktion erlernt und diese 30 oder 40 Jahre ausübt, bis er in Rente geht. Das moderne Berufsleben ist projektorientiert. Das heißt, Mitarbeiter übernehmen eine bestimmte Aufgabe oft nur noch für die Dauer eines Projekts. Ist das Projekt abgeschlossen, folgt schon das nächste – mit womöglich völlig anderen fachlichen Anforderungen. Dann ist Flexibilität gefragt; jeder Mitarbeiter muss sich schnellstmöglich in die neue Aufgabe einarbeiten. Für Projekte werden zudem immer neue Teams zusammengestellt. Jeder muss sich also auf unterschiedliche Charaktere und Arbeitsweisen einstellen. „Hier sind Charakterköpfe und Querdenker klar im Vorteil“, stellt Fischer fest, „weil sie meist in verschiedenen Branchen und Projekten aktiv waren“. Vor allem aber sind sie in der Lage, um die Ecke zu denken: Sie sind in ihren Gedanken nicht so festgefahren, wie Kollegen, die seit mehreren Jahren dem gleichen Job nachgehen, und können sich dementsprechend schnell auf neue Aufgaben und Kollegen einstellen.

Fazit

Querdenker und Charakterköpfe können Unternehmen also einen wirklichen Mehrwert bringen. Sie tragen dazu bei, das vorhandene Wissen ständig zu erweitern und sich an ständig veränderte Marktbedingungen anzupassen. Davon profitieren alle, das Unternehmen ebenso wie die Kollegen. „Aber nicht nur neuer Schwung und zusätzliches Know-how kommen ins Unternehmen, sie bringen oft auch neue Kontakte und Netzwerke außerhalb der Branche mit, auf die das Unternehmen sonst niemals Zugriff erhalten hätte“, ergänzt Fischer. „Und nichts ist in der heutigen Zeit wichtiger.“