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Im Stress oder schon im Burnout?

Im Stress oder schon im Burnout?
Über Stress und hohe Belastungen zu klagen, gehört mittlerweile zum guten Ton.

Ein Leben ohne Stress gibt es nicht. Gilt Stress zu haben jedoch als Indikator für die persönliche Bedeutung und Leistungsfähigkeit, sollten man dringend etwas ändern.

Heute wird vieles schnell als „stressig“ empfunden: das Einkaufen, die Schule, die Beziehung, die Familie und natürlich die Arbeit. Es gibt exogene, also von außen wirkende, Stressauslöser wie Lärm, Arbeitsbelastung, Termine. Und es gibt endogene, also von innen kommende, Stressauslöser wie Schmerz, ungelöste Konflikte, Hunger und Durst, die ebenfalls als stressig empfunden werden.

Ein Leben ohne Stress gibt es nicht. Über Stress und hohe Belastungen im Alltag und im Beruf zu klagen, gehört mittlerweile schon zum guten Ton. Aussagen wie „Ich bin dieses Jahr 35.000 Kilometer mit dem Auto gefahren“ oder „Ich kann die Flugmeilen schon gar nicht mehr zählen, die ich dieses Jahr gesammelt habe“, zeigen Freundeskreis und Arbeitgeber, wie leistungsfähig und wichtig man ist.

Aber natürlich ist es nicht der evolutionäre Sinn des Stresses, dass wir mit ihm angeben können. Schon unsere Urahnen erlebten Stress und an dem genetischen Ablaufplan hat sich im Prinzip bis heute nicht viel geändert.

Die vom Stress freigesetzten Energien richten sich gegen den eigenen Körper

Aber an der Bedeutung schon. In der Urzeit war Stress eine absolute Lebensnotwendigkeit. Ein Beispiel: Fanden sich unsere Vorfahren plötzlich Auge in Auge mit einem wilden Tier wieder, sorgte die „Alarmzentrale Stress“ dafür, den Körper schnell zu mobilisieren, Energien bereitzustellen und das Nervensystem „scharf“ zu schalten. Durch Stresshormone wurde der Körper in Flucht- oder Kampfstimmung versetzt. Blutdruck und Herzfrequenz stiegen – der Körper bekam so den „nötigen Kick“, um mit der lebensbedrohlichen Situation umgehen zu können.

Diese Stressreaktionen laufen auch heute noch genauso ab, bloß dass die aus dem Paläolithikum übernommene „Flucht- und Kampfstimmung“ keine adäquate Lösung darstellt, wenn der Chef zum Rapport ruft. Gegen die „wilden Tiere“ unserer Zeit taugt das alte Mittel nur bedingt. Auch wenn es natürlich auch heute noch Situationen gibt, bei denen Kampf- oder Fluchtbereitschaft gefragt sind, in denen uns der Energieschub der Stressreaktoren zugute kommt. Situationen, in denen wir bestimmte Herausforderungen annehmen können und zu Höchstleistungen fähig sind.

Das ist aber, wie gesagt, heute selten der Fall, sodass die vom Stress freigesetzten Energien nicht genutzt werden und sich gegen den eigenen Körper richten. Ist die Stresssituation nur vorübergehend, kann unser Organismus damit gut umgehen. Bei Daueralarm jedoch können die gesundheitlichen Folgen immens sein.