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Fettnäpfchen bei Geschäftsessen vermeiden

Fettnäpfchen bei Geschäftsessen vermeiden
Ob im Restaurant oder zum Dinner im kleinen Kreis: Wer sich mit Vorgesetzten oder Kunden zum Geschäftsessen trifft, muss zahlreiche Fettnäpfchen umschiffen.

Bei einem Geschäftsessen pflegen sich Kontakte leichter und feiern sich Geschäftsabschlüsse stilvoller – vorausgesetzt, man beherrscht die Etikette.

Damit das Geschäftsessen nicht zum Desaster wird, hier die wichtigsten Tipps.

A wie Alkohol und Anstoßen
Wenn Geschäftspartner Alkohol bestellen (vielleicht auch das eine oder andere Glas mehr, als sie vertragen), sollten sich Gastgeber nicht unter Druck gesetzt fühlen und mittrinken. Heute gilt es nicht mehr als unhöflich, ganz auf alkoholische Getränke zu verzichten.

Im Übrigen sollte jeder Gast auch trinken, was er möchte. Ob Alkohol, Wasser oder Erfrischungsgetränke, alles ist erlaubt. Dementsprechend darf man auch quer durch alle Getränkearten anstoßen.

B wie Bouillon
Bei dem Verzehr von Suppen outet man sich schnell als Knigge-Laie. Niemals sollte eine Suppe geschlürft (außer im asiatischen Raum vielleicht) oder Brot hinein getunkt werden. Auch sollte man vermeiden, Suppenteller zu kippen, um den Rest auszulöffeln – außer, die Suppe wird in einer Suppentasse serviert. Und auch wenn klare Brühen normalerweise aus einer Suppentasse getrunken werden dürfen, sollte man darauf bei einem Geschäftsessen verzichten. Suppenflecken auf Hemd oder Bluse machen sich nicht gut.

C wie Cloche
In einigen Restaurants wird das Essen auf den einzelnen Tellern mit einer Cloche (einer silbernen Haube) warm gehalten. Haben alle am Tisch ihr Essen, wird diese vom Service-Personal hochgehoben – nicht vom Gast!

D wie Dekoration essen
Früher war es verpönt, Speisedekorationen zu essen. Das hat sich geändert, mittlerweile dürfen sie mitgegessen werden.

E wie Essen
Als schwieriges Essen können sich Fisch-, Geflügel- und Meeresfrüchte-Gerichte herausstellen. Wenn bei einem Geschäftsessen jeder Gast sein Essen selbst bestellen darf, sind diese Fallen zu umgehen. Wenn aber alle Gäste das Gleiche bekommen und man mit dem Gericht nicht umzugehen weiß, darf man durchaus die Bedienung um Hilfe bitten (um z.B. den Fisch zu filetieren oder die Hummerscheren zu knacken). Wird der Hummer bereits so serviert, dass die Hummerzange überflüssig wird, ist das Fleisch mit der Hummergabel aus Beinen und Scheren zu ziehen. Für den halbierten Panzer wird wieder das normale Besteck verwendet.

Bei dem Verzehr von Austern ist das Schlürfen erlaubt. Zuvor sollte man jedoch mit der speziellen Austerngabel das Fleisch von der Schale lösen und mit Zitrone, Pfeffer oder Salz würzen. Erst dann wird die Austernschale an den Mund gesetzt und der Inhalt geschlürft. Übrigens mitsamt des Meerwassers.

Muscheln hingegen werden mit Muscheln gegessen. Ist die erste Muschel mit der Gabel aus der Schale herausgeholt und gegessen, dient diese Schale danach als „Gabel“ für die weiteren Muscheln. Aber Vorsicht: Der beigestellte Zitronensaft ist zum Säubern der Finger gedacht!

Und egal wie schwierig es ist, Geflügel mit Messer und Gabel zu essen, man darf auf keinen Fall die Finger zu Hilfe nehmen. Auch empfiehlt es sich, zuerst die Extremitäten und dann den Körper zu essen.

Spaghetti werden immer gerollt statt geschnitten. Der Profi schafft es sogar, sie an der Kante des Tellers nur mit der Gabel aufzurollen. Wer das nicht kann, darf durchaus den Löffel als Unterstützung nehmen.

Kartoffeln werden auch heute noch nicht durchgeschnitten. Stattdessen bricht man mit der Gabel kleine Stückchen ab, um sie dann aber NICHT zu zermatschen!

F wie Fettnäpfchen
Sowohl Gast als auch Gastgeber können in diverse Fettnäpfchen treten. Ein Fettnäpfchen lauert etwa bei der Begleichung der Rechnung. Deshalb sollte grundsätzlich bereits beim Aussprechen der Einladung deutlich kommuniziert werden, wer zahlt.

G wie Gedeck, Serviette und Co.
Handelt es sich um ein mehrgängiges Menü, wird für jeden Gang ein neues Besteck genommen. Dabei arbeitet man sich immer von von außen nach innen vor, Dessertlöffel liegen über dem Teller und der Brotteller befindet sich links vom eigenen Gedeck. Und einmal aufgenommen, wird das Besteck nicht mehr auf dem Tischtuch abgelegt, sondern immer auf dem Teller.

Gibt es zu jedem Gang ein anderes Getränk, benutzt man die Gläser von rechts nach links. Das Wasserglas steht dabei immer ganz rechts außen. Und langstielige Gläser sollten Sie stets am Stiel anfassen. Apropos Gläser: Bevor etwas getrunken wird, tupft man sich den Mund mit der Serviette ab (die auf den Knien liegt), denn Speise- und auch Lippenstiftreste am Glas sind extrem unappetitlich.

In gehobenen Restaurants gilt es übrigens als Unsitte, Brot zu zerschneiden oder gar im Ganzen mit Butter zu bestreichen. Besser: Das Brot in einzelne Stücke brechen und anschließend mit ein wenig Butter bestreichen.

H wie Handy
Handy, iPhone und Blackberry gehören nicht auf den Tisch – auch nicht ausgeschaltet. Als sehr unhöflich gilt, während des Essens an sein Mobiltelefon zu gehen. Auch nicht, wenn man sich dafür entschuldigt und für das Telefonat vor die Tür geht. Und auch Handtaschen, Schlüssel, Aktenmappen und Lesebrillen haben nichts auf dem Tisch zu suchen.

I wie „Ich bin der Thomas“
In vielen Unternehmen gehört das „Du“ mittlerweile zum Umgangston. Dennoch sollte man sich an die gängige Anrede „Sie“ halten – auch wenn man Gastgeber ist. Denn beim Duzen hört es für viele (Vorgesetzte) auf. Und auf keinen Fall sollten „Untergebene“ bzw. Jüngere ihren Vorgesetzten oder älteren Kollegen das Du anbieten.

J wie japanische Küche
Der Gastgeber sucht stets das Restaurant aus. Dabei sollte er aber bedenken, dass mit einem (gehobenen) Italiener weniger schiefgehen kann als mit der japanischen Küche, die nicht jedermanns Geschmack ist.

Um vor Überraschungen gefeit zu sein, sollte nicht nur der Tisch reserviert, sondern die Lokalität auch erprobt sein. Kommen Gast und Gastgeber gemeinsam an oder treffen sich vor dem Restaurant, öffnet stets der Gastgeber dem Gast die Tür, geht aber im Lokal voran

Ratsam ist allerdings, sich im Restaurant zu treffen, so kann der Gastgeber vorher den Tisch kontrollieren und bei Bedarf Änderungen vornehmen lassen. Und wichtig: Eine Gastgeberin verhält sich hier genauso wie ein Gastgeber.

K wie Kreditkarte
Wer die Rechnung mit der Kreditkarte begleichen möchte, sollten das Trinkgeld in bar zum unterschriebenen Beleg legen. Zum Bezahlen der Rechnung siehe auch „Q wie Quittung“.

L wie Lippenstift
Auch wenn es mittlerweile erlaubt ist, Lippenstift am Tisch nachzutragen, sollten Frauen darauf doch lieber verzichten und dies auf der Toilette erledigen. Außerdem sollten sie beim Thema Lippenstift auch an die Gläser denken. Denn nicht nur Essensreste sind auf Glasrändern unappetitlich, sondern auch Lippenstiftreste. Siehe dazu auch „G wie Gedeck, Serviette und Co“.

M wie Missgeschicke
Fallen Serviette oder Besteck herunter, sollte nicht danach gesucht werden, sondern beim Servicepersonal um neues gebeten werden. Fällt ein Getränk um und der Inhalt ergießt sich über die Tischdecke, entschuldigt man sich beim Tischnachbarn. Reagiert das Servicepersonal nicht sofort, sollte man seine Serviette auf den Fleck legen. Peinlicher wird es, wenn das Getränk auf der Hose des Tischnachbarn landet. Dann sollten man zur ersten Schadensbegrenzung die eigene Serviette anbieten. Auf keinen Fall aber sollte man selbst auf Fleck und Kleidung herum reiben! Neben der sofortigen Entschuldigung sollte das Angebot, für die Reinigungskosten aufzukommen, selbstverständlich sein. Eine schriftliche Entschuldigung am nächsten Tag rundet das Bedauern stilvoll ab.

Rutscht einem eine verletzende oder ungeschickte Äußerung während des Geschäftsessens heraus, beredet man die Sache auf keinen Fall am Tisch, sondern klärt es hinterher im Vier-Augengespräch.

N wie Niesen
Das Niesen kann plötzlich auftreten, sodass einem nur die Möglichkeit bleibt, in die Serviette zu niesen. Besser ist, man schafft es noch, ein Taschentuch herauszunehmen. Und wenn möglich, sollten sehr lautes Niesen vermieden werden.

O wie Overdressed
Bei der Kleidung sollte gelten: stilsicher, aber nicht overdressed. Da Geschäftsessen meist tagsüber oder direkt am Anschluss des Arbeitstages stattfinden, kann man in Business-Kleidung erscheinen (sofern nichts anderes erwähnt wird). Zwar gibt es je nach Branche und Position Unterschiede. Falsch machen Männer aber nichts mit einem dunklen Anzug. Frauen haben da mehr Auswahl, denn es passen sowohl Kostüm, Hosenanzug als auch Rock und Twinset sowie Stoffhose und Bluse.

P wie Probierschluck
Geht es an die Auswahl des Essens, bestellt jeder Gast für sich. Gastgeber können jedoch auch Vorschläge machen. Das ist für Gäste meist hilfreich, denn so ist das ungefähre Preisniveau geklärt. Und auch wenn Gastgeber immer als letzte Person bestellen, sind sie sonst die Ersten: Wenn es beispielsweise um den Probierschluck beim Wein und das Signal zum Essensbeginn sowie -ende geht. Um Verzögerungen zu vermeiden, sollten alle Gäste möglichst immer gleich viele Gänge bestellen.

Q wie Quittung
Generell sollten Gastgeber zum Ende des Essens unauffällig aufstehen und die Rechnung so begleichen, dass ihre Gäste es nicht mitbekommen. Besonders elegant ist es, wenn sie nur ihre Visitenkarte hinterlassen müssen, damit ihnen die Rechnung zugeschickt werden kann. Dies ist allerdings nicht in allen Restaurants möglich. Und auch dann sollten sie das Trinkgeld in bar hinterlassen.

R wie Rauchen
Während des Essens ist das Rauchen ein absolutes Tabu! Da es in den meisten Restaurants eh mittlerweile verboten ist, müssen Raucher entweder in speziell vorgesehene Raucherräume oder vor die Tür gehen. Deshalb sollten sie frühestens nach dem Dessert ihrem Laster nachgeben. Darf am Tisch geraucht werden, sollten vorab alle anderen Gäste um Erlaubnis gefragt werden.

S wie Sitzordnung
Gäste bekommen immer die besseren Plätze (z.B. die, bei denen sie in den Raum blicken können). Dabei wählen sie aber selbst, wohin sie sich setzen – und nehmen zuerst Platz. Wichtig: Ein gastgebender Vorgesetzter wartet, bis seine Mitarbeiter Platz genommen haben.

Wer es traditionell mag: Sind Männer und Frauen in der Runde, setzen sie sich möglichst abwechselnd nebeneinander. Dabei finden Herren ihre Tischdamen immer rechts. Wer es ganz traditionell mag, schiebt seiner Tischnachbarin beim Platznehmen nicht nur ihren Stuhl zurecht, sondern erhebt sich auch, wenn sie während des Essens aufsteht.

T wie Trinkgeld
Geringe Wartezeiten sowie eine höfliche und kompetente Bedienung sind ein Trinkgeld von mindestens zehn Prozent wert. Wer die Rechnung mit Karte zahlt, sollte das Trinkgeld aber in bar hinterlassen.

U wie Unvorhergesehenes
Auch bei einem Geschäftsessen können unvorhergesehene Dinge passieren. Wichtig ist, dass sowohl der Gastgeber als auch der Gast darauf angemessen reagieren. Unbedingt vermeiden sollten Gäste, zu spät beim Essen einzutreffen. Ist dies nicht zu verhindern, sollten sie sich beim Gastgeber und ihren Tischnachbarn entschuldigen. Auch ist es heutzutage eigentlich immer möglich, vorher anzurufen und die Verspätung mitzuteilen.

Für kritische und peinliche Momente gilt die Grundregel: Nie als unbeteiligter Dritter ins Geschehen eingreifen!

V wie Vorstellen
Treffen bei einem Geschäftsessen einander unbekannte Personen aufeinander, stellt der Gastgeber alle vor. Dabei gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Gruß und Handschlag. Ob es zum Handschlag kommt, entscheidet die ranghöhere Person. Bei Gleichrangigkeit entscheidet die ältere Person.

Stellt der Gastgeber Geschäftspartner vor, gibt erneut der berufliche Rang den Ausschlag: Der Ranghöhere erfährt zuerst, wen er vor sich hat. Mittlerweile gelten aber Gäste und Kunden grundsätzlich als ranghöher. Und Geschäftspartner aus dem Ausland sollten immer den Inländern vorgestellt werden.

Wer zu einer Gruppe dazu stößt, stellt sich am besten selbst vor. Dabei nennt man aber nicht nur seinen Vor- und Nachnamen. Zwecks einer besseren Einordnung sollte auch die Aufgabe, die man im Unternehmen erfüllt, erwähnt werden.

W wie Weinauswahl
Die Weinauswahl kann zum Minenfeld werden. Kellner schenken einen Testschluck generell nur ein, damit die Qualität des Weines überprüft werden kann, ob er richtig temperiert ist oder korkt. Ob er schmeckt oder nicht, steht hier nicht zur Debatte. Und ist alles in Ordnung, reicht ein Kopfnicken.

Z wie Zahnstocher
Muss (warum auch immer) bei Tisch ein Zahnstocher benutzt werden, bitte nur hinter vorgehaltener Hand und wenn keiner am Tisch mehr isst. Am besten ist allerdings, dafür auf Toilette zu gehen.