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Digitale Nomaden – Abenteurer oder Arbeitsbiene?

Digitale Nomaden – Abenteurer oder Arbeitsbiene?
Digitale Nomaden arbeiten am Strand, im Coworking Space oder irgendwo sonst auf der Welt.

Die Zukunft der Arbeit bringt ganz neue Arten hervor, wie Menschen ihre Arbeitsorte, Arbeitszeiten und -formen gestalten. Ob in der Wärme unter Palmen oder im Coworking-Space, die digitalen Nomaden fühlen sich an vielen Orten wohl.

Vor einiger Zeit war ich in einem Coworking Space bei einer Filmvorführung zum Thema „Digitale Nomaden“. Sowohl Coworking Spaces als auch digitale Nomaden sind Ausprägungen von neuen Arbeitsformen. Arbeitsformen, die durch die Digitalisierung möglich geworden sind. Oder zumindest erleichtert wurden, allerdings noch beschränkt auf einige, wenige Branchen.

Zugegeben, die digitalen Nomaden sind eine besondere Ausprägung von New Work und bisher noch eher selten. Aber nach der Aussage der Filmemacher, die vor Ort waren, eine zunehmende Spezies. Es sind „Menschen, die sich losreißen von gesellschaftlichen Normen, vom Hamsterrad, … vom festen Büro“ heißt es im Film. Und zunehmend mehr Menschen interessieren sich für diese Arbeitsform. So war auch die oben genannte Veranstaltung gut besucht. Und auch die in den letzten zwei Jahren stattgefundenen drei Konferenzen zu dem Thema verzeichneten wachsende Teilnehmerzahlen.


In ihrer Kolumne We can work it out! setzt sich Nicole Willnow
mit den Entwicklungen der Arbeitswelt auseinander.


Wenn ich bisher über die digitale Nomaden gelesen habe, hatte ich immer die Assoziation von Arbeiten in der Bambushütte in Thailand, auf Bali oder irgendwo sonst in der weiten Welt. Aber ich wurde eines Besseren belehrt: es geht anscheinend doch „nur“ um ortsunabhängiges Arbeiten. Das kann zum Beispiel auch „nur“ fünf Monate Hamburg, vier Wochen Sylt und sechs Wochen Berlin bedeuten. Keine Aussteiger, kein Urlaubsfeeling, sondern einfach wechselnde Arbeitsorte.

Das intellektuelle Nomadentum ist nicht neu

Ob Autor, Schriftsteller oder Musiker – die „Rumtreiberei“ ging auch schon mit Block und Stift. Wie man bei den Herren Hemingway, Goethe und Mozart nachlesen kann. Die kamen auch ordentlich herum. Dank neuer digitaler Technik ist allerdings viel mehr möglich – und das auch viel einfacher. Aber das ist es nicht alleine. Dass man mehr projektbezogen arbeitet ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Und auch, dass man sich nach dem Abschluss eines Projektes neu entscheiden kann, ob man wieder sesshaft werden will – oder ein neues Ziel ansteuert.

Weniger die Digitalisierung, sondern mehr die Freiheit der Entscheidung ist wohl der wichtigste Punkt und die Selbstbestimmung das wichtigste Argument für das digitale Nomadentum. Auch für Frithjof Bergmann, dem Begründer der Definition von „New Work“, ein wichtiger Punkt: „Neue Arbeit bietet Freiräume für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Die Befreiung aus der Knechtschaft der Lohnarbeit.“ Aber das geht hundertprozentig nur, wenn man auch sein eigener Boss ist. Selbständigkeit ist also fast unabdingbar – und für viele schon Abenteuer genug.

Wie reagiert das soziale Umfeld?

Was jedoch noch mehr Menschen von der Lebens- und Arbeitsform der digitalen Nomaden abhält, ist etwas ganz Analoges, nämlich die Sorge über die Reaktionen des sozialen Umfeldes. Kann ich meine Familie oder meine Freundschaften zurücklassen? Reichen skypen und nur sporadische Treffen im analogen Leben, um diese aufrecht zu erhalten? Ich kenne allerdings auch Menschen, die genau wegen solcher Beziehungen zum digitalen Nomaden geworden sind, denn sie führen Fernbeziehungen und reisen alle paar Wochen für ein paar Wochen oder Tage nach Süddeutschland, nach Asien oder in die Türkei und arbeiten dann dort.

Bin ich denn auch ein digitaler Nomade, wenn ich innerhalb Hamburgs zwischen meinem Home-Office und zwei Coworking-Spaces pendele und ab und zu bei meinen Eltern auf dem Land meinen Laptop aufklappe? Zumindest im Sommer, wenn die Sonne scheint und ich dort dank WLAN im Garten arbeite, kann ich mir schon fast einbilden, die Bäume seien Palmen und mich nach Bali träumen. Denn wenn ich in absehbarer Zeit mehr reise, während ich arbeite, will ich unbedingt Bali wiedersehen. Inzwischen gibt es dort auch Coworking Spaces.

Egal ob als digitaler Nomade oder an einem einzigen Arbeitsort, lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft entwickeln…

Ihre Nicole Willnow