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Burnout – daran sind vor allem Arbeitgeber schuld?

Burnout – daran sind vor allem Arbeitgeber schuld?
Wer ein entspannteres Lebensgefühl entwickeln möchte, sollte kritisch prüfen, wo der Chef oder die Kollegen übermäßig Druck machen – und an welchen Stellen man sich selbst der härteste Antreiber ist.

Jeder hat Stress. Mal mehr, mal weniger. Wer jedoch ständig seine Grenzen überschreitet, riskiert einen Burnout. Über kaum eine Erkrankung wurde in den letzten Jahren mehr gesprochen, als über den Burnout. Mittlerweile ist das Ausbrennen im Job längst so etwas wie eine Art Volkskrankheit.

Die Zahlen sind bekannt: Fast 20 Prozent der Deutschen beschreiben ihr Leben als Tretmühle. Das Gefühl unter Druck zu stehen, ist für sie zum Dauerzustand geworden. Ein Fünftel der stark Belasteten kippt in die Krise. Diagnose: Burnout. Und für viele ist klar: Der Job ist die Ursache für die Erschöpfung. Denn was Arbeitgeber heute von uns verlangen, macht einen kaputt.

Der Beruf gilt tatsächlich als Stressquelle Nummer eins. Das zeigen die Umfragen der Krankenkassen immer wieder aufs Neue. Doch bereits an zweiter Stelle kommen „Konflikte im Privatleben“, gefolgt von „hohen Ansprüche an sich selbst“. Die Hitliste zeigt: Man kann den schwarzen Peter für die Stressmisere nicht einfach den Arbeitgebern zuschieben. Auch wir selbst drehen ordentlich an der Stress-Schraube. Zum Beispiel, weil wir unsere Beziehungen schleifen lassen und Konflikte nicht gut lösen können. Oder, weil wir kein realistisches Selbstbild haben, sondern uns ständig an einem perfekten Ideal messen, dass leider unerreichbar ist.

Wer wirklich ein entspannteres Lebensgefühl entwickeln möchte, sollte daher durchaus kritisch prüfen, wo sein Arbeitgeber, der Chef oder auch die Kollegen übermäßig Druck machen. Aber er sollte auch den Blick auf sich selbst richten und sich fragen: Wo bin ich selbst meine größte Stressquelle?

Entstressen Sie Ihren Joballtag

Sorgen Sie für Ihre Handlungsfähigkeit: Bereits eine E-Mail mit dringlicher Anfrage, für die uns keine gescheite Antwort einfällt, kann uns extrem unter Druck setzen. Fragen Sie sich deshalb jedes Mal, wenn Sie ins Schwitzen kommen und gestresst sind: Wie könnte ich ins Handeln kommen? Einen Kollegen um Rat fragen? Kurz antworten, dass ich mich kümmere und morgen ausführlicher schreibe?

Die Kunst der Pause ist ein Teil der Kunst des Arbeitens: Frei nach dem Literaten John Steinbeck gilt das auch für unseren Berufsalltag. Wer keine Pausen macht, wird sich am Ende des Tages fertig und gestresst fühlen. So einfach ist es!

Eins zur Zeit: Die meisten von uns sind Meister im Multitasking. E-Mail tippen, dabei telefonieren und die Post öffnen. Kein Problem. Nur: Studien zeigen, dass man mit den Tätigkeiten nicht schneller fertig ist, als wenn man sie nacheinander ausführt. Aber man fühlt sich gestresster.

Die Stärke des Sinns: Fragen Sie sich immer: Was ist der Sinn meiner Tätigkeit? Wenn Sie darauf keine Antwort finden, ist Stress programmiert. Denn wer sich für Sinnloses anstrengen soll, fühlt sich genötigt und gestresst. Dabei kann es durchaus sein, dass man ein wenig nachdenken muss, um dem Sinn auf die Spur zu kommen. Es kann zum Beispiel sein, dass ich mich gerade über die kritische Rückmeldung meines Chefs ärgere und in Stress gerate, weil ich mich gemaßregelt fühle und außerdem Korrekturen und Mehrarbeit auf mich zukommen. Doch wenn ich überlege, dass es sinnvoll ist, diesen Fehler zu korrigieren, weil es den weiteren Verlauf des gesamten Projektes wieder in positive Bahnen bringen wird, wird mein Stresspegel sinken.

Auf der persönlichen Ebene kann man viel von den Menschen lernen, die bereits eine Stresskrise durchgemacht haben – und ihr Leben und Arbeiten daraufhin in eine gesündere Balance gebracht haben.

Überprüfen Sie sich selbst

Betroffene erkannten, dass sie vor der Krise auf die Frage „Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht arbeite?“ keine gute Antwort hatten. Ihr Selbstwertgefühl hing fast gänzlich davon ab, dass man im Job „alles richtig“ macht. Wie ist das bei Ihnen?

Sie durchschauten ihre persönlichen Antreiber-Muster. Und veränderten sie. Wen der Hang zum Perfektionismus antrieb, formulierte für sich den neuen Leitsatz: „Ich kann gut perfekt – aber ich prüfe jeweils, ob 150 Prozent hier wirklich wichtig ist.“ Wer immer zu flott „Ich mach’s“ rief, erlaubte sich, innezuhalten: „Ich gebe mir selbst eine Bedenkminute, bevor ich eine Aufgabe übernehme.“ Welche inneren Antreiber haben Sie?

Sie pflegen ihre persönlichen Interessen und Kraftquellen, die nichts mit Leistung zu tun haben: Musik, Kochen, Freunde, Klettern, Natur, Familie usw. Wie sieht es mit Ihrer Balance aus?

Sie gehen mutig und konsequent ihren neu entwickelten Weg und kümmern sich um ihr eigenes Wohlbefinden genauso gewissenhaft wie um ihre Aufgaben im Beruf. Das kann auch mal heißen, dass der Job zurück stecken muss, wenn gerade Privates wichtiger ist. Wie mutig sind Sie?

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund!

Ihre Carola Kleinschmidt

 

Ab 27. Juni 2016

Burnout - und dann von Carola Kleinschmidt

 

Burnout – und dann?
Wie das Leben nach der Krise weitergeht
von Carola Kleinschmidt
Kösel Verlag (1. Auflage, Juni 2016)
ca. 17,99 Euro
ISBN 978-3-466-34636-3

 

 

 

* Männer und Frauen werden natürlich mitgedacht. Der Einfachheit halber nehme ich pro Artikel nur ein Geschlecht. Mal Sie. Mal Er.